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„So, wie die KLP früher mal war“

Trotz Einschränkungen: Wunderpunkte light locken interessierte Besucher an

bv Groß Heide. Sibylle Homann hat in Hamburg Industriedesign studiert, betrieb 20 Jahre ein Atelier in St. Pauli. Seit kurzem lebt sie mit ihrem Lebensgefährten im Wendland. „Eigentlich wollte ich erst im Sommer herziehen. Aber wegen Corona habe ich gesagt: Was hält mich in der Stadt?“

Und so packte sie ihre Koffer. Ihre Glaswerkstatt hat sie nun in Groß Heide eingerichtet, auf einem schmucken Anwesen am Ortsrand. Im Teich, der sich um ein Biotop schlängelt, quaken Hunderte Frösche, Kaulquappen schwimmen im klaren Wasser, Obstbäume beschatten die Sitzgelegenheiten auf dem weitläufigen Areal mit englischem Rasen. Ein typischer Wunderpunkt – könnte man meinen. Doch etwas ist anders: anstatt von Hunderten, manchmal gar Tausenden, die an einem Pfingstmontag sich an einem Punkt zeigen, drängt sich dort niemand. Ein Dutzend Besucher verteilt sich – coronagemäß. In diesem Jahr fällt die KLP bekanntlich ersatzlos aus. Aber einige Künstler bieten eine Art KLP light an – im Rahmen dessen, was erlaubt ist.

Homann stellt in Groß Heide ihre Glasobjekte aus – von der einfachen upgecycelten Vase, die im vorigen Leben eine Weinflasche war, bis zur handgefertigten steinschweren Schale aus zentimeter-dickem Glas – ein Design-objekt, für das sie vierstellige Preise aufruft – und bekommt. Einige sind bereits verkauft.

Auch ihr Lebensgefährte Bernhard Hansl stellt auf dem Werkhof Groß Heide aus – selbstsdesignte Ledertaschen und Leinenhemden, alles in hoher Design- und handwerklich ausgezeichneter Qualiät.

Nein, bei der KLP haben sie sich nicht beworben, auch wenn Sibylle Homann ihre Arbeiten schon oft auf KLP-Punkten ausgestellt hat. Denn das hätte für ihn auch gar nicht funktioniert, erläutert Bernhard Hansl – er designt seine Taschen und Hemden selber, gefertigt werden sie aber im Ausland – ein KLP-Ausschlusskriterium. Das besondere KLP-Flair zeigt sich aber auch dort – „bei uns ist es so, wie die KLP früher mal war, sagen viele Besucher“, freut sich Homann.

Wirtschaftlich sei das KLP-Aus in diesem Jahr für viele Kunsthandwerker ein Desaster, betont Hansl. Trotzdem sei der Lockdown auch eine Chance zur Neubesinnung.

„Ich habe immer die Meinung vertreten, dass die KLP einen qualitativ hochwertigen Design-Gegenpart braucht“, so der Hansl. Ich finde, dass die wunden Punkte wieder klar herausgearbeitet werden müssen. Teilweise verschwimmt mir das zu sehr. Das Kernthema ist der Widerstand – das andere, das Kommerzielle, was auch auch für uns alle, sollte man auf eine andere Ebene bringen. das habe ich immer versucht. Mir ist wichtig, dass, wenn man etwas macht, es auch hochwertig ist. Es sollte bei der KLP doch nicht um „Würstchen in der Bushaltestelle oder Hinterhofmalerei gehen“, betont Hansl. Das Wendland hat viel zu bieten – „das sollten wir rauskehren. Wir wollen ein Punkt sein, aber ein Designpunkt. Ich entwickele nur, aber lasse es produzieren. Um bei der KLP dabei zu sein, muss man jedoch selbst produzieren. Bei meinem Anspruch muss ich aber fertigen lassen – ich kann das nicht. Deshalb dürfte ich nicht bei der KLP ausstellen.“ Das Designpunkt-Konzept sei nicht als Konkurenz gedacht, vielmehr als „gegenseitiges Befruchten.“ Denn eins ist klar: Hier leben, heißt auch hier arbeiten und Geld verdienen.“

Geld verdienen, dass kann der Groß Heider Glaskünstler Sebastian Ismer in diesem Jahr nicht. Trotzdem lässt er Besucher – nach telefonischer Voranmeldung – in den Garten seines weitläufigen Wunderpunktes in Groß Heide. Er zeigt nur einen kleinen Teil seiner Arbeiten. Seit zwei Jahrzehnten lebt er als selbstständiger, erfolgreicher Glaskünstler. Auch für ihn ist der Ausfall der KLP „eine Katastrophe – in meinem Lebenskonzept war Hilfesuchen nicht vorgesehen. Aber darauf bin ich jetzt angewiesen.“ Bleibt die Hoffnung – auf eine KLP 2021.

Redaktion Kiebitz 05841/127 422 vogt@ejz.de

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