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Collies – verzweifelt gesucht

 

„Bei Collies denken die meisten Menschen an den freundlichen, klugen Hund aus der Fernsehserie ,Lassie'“, sagt Rolf Meyer vom Museum Wustrow. „Bei mir schrillen gleich die Alarmglocken, da ich an die grünen Zigarettenpackungen aus meiner Jugend denke, die im Inneren einen gut verborgenen Schatz beherbergten: Sammelbildchen.“ Nun, Zigarettensammelbilder gab es viele, das Internet ist voll von Sammlungen und Fachwissen.

Nur über eine Marke und ihre Sammelbildchen gibt es so gut wie nichts zu finden: Collie, eine Zigarettenmarke, die es nur wenige Jahre gab.

Im Inneren der Packung gab es Zeichnungen des bekannten Hamburger Werbegrafikers und Illustrators Günther T. Schulz, der mit seinen Initialen G.T.S. selbst zum Markenzeichen wurde. Gesammelt aber wurden die Bildchen offenbar nur von wenigen.

Heute gibt es lediglich eine Handvoll Sammler, verstreut über ganz Deutschland, die ihre Collies eifersüchtig hüten. „Zum Verkauf gelangt so gut wie nichts“, berichtet Meyer, der davon überzeugt ist, dass auf so manchem Dachboden oder Keller noch ganze Sammlungen lagern . „Vielleicht sind die Besitzer längst verstorben, und die Erben wissen gar nicht, was sich da möglicherweise in Kartons oder Tüten befindet.“ Das Museum Wustrow bereitet eine neue Ausstellung vor – und die beruht auf einer frühen Leidenschaft des Museumsgründers Dr. Rolf Meyer. Es gibt genau 256 Collie-Bilder, die aus den Schachteln herausgetrennt werden konnten. Meyer besitzt „über 100, eine Zahl, ab der man als Sammler erst mitsprechen darf“, schmunzelt der passionerte Nichtraucher.

Ende der 1940er-Jahre fasste die deutsche Zigarettenindustrie nach dem Wiederaufbau zerschlagener Werksanlagen wieder einigermaßen Fuß und brachte unter der Verwendung von Virginia-Tabaken und der Markenschöpfung Collie neuen amerikanischen Rauchgenuss in die deutsche Republik. Nur wenige Jahre, Ende der 1940er- und Anfang der 1950er-Jahre, existierte Collie als meistgekaufte westdeutsche Zigarette, dann hatte sie ausgedient. Meyer, in den 50-ern Schüler, interessierten weniger die Zigaretten als vielmehr die grünen Collie-Packungen mit weißem Schriftzug und den begehrten, kleinen Zeichnungen von Günther T. Schulz zur Geschichte des Tabaks.

Diese Abbildungen lagen nicht lose der Packung bei, sondern waren auf der Rückseite des Schubers, in dem sich die Zigaretten befanden, eingedruckt. Man musste dann die Collie-Bilder, wie die Schüler-Sammler sie nannten, vom Rest der Kartonage abtrennen. Im Gegensatz zu den Stars des Sammelbilderkosmos, wie etwa Liebig- und Stollwerck-Bilder, sind Collies Raritäten. Zur Rolle des Illustrators heißt es im Magazin „Ganz Hamburg“ über eine Ausstellung mit Günther-T.-Schulz-Werken, dass bis Mitte der 1960er-Jahre Illus-trationen und Zeichnungen die Grundlage der Werbung waren – technisch bedingt kam der Fotografie eine Nebenrolle zu. Zeichner und Illustratoren spielten die Hauptrolle in der Werbung. Denn nur so konnten Produkte und Szenen überhöht dargestellt werden. Günther T. Schulz gehörte in dieser Zeit in die „Bundesliga für Werbung“. Geprägt durch die Verwüstungen des Krieges war es die Zeit des Aufbaus, des Aufbruchs, der Expansion und des Wirtschaftswunders. Umbrüche wurden nicht als Bedrohung, sondern als positive Weiterentwicklung empfunden. So war auch die Werbesprache lebensbejahend, optimistisch, etwas naiv, aber stets nach vorn blickend.“

INFO
Kontakt: Museum Wustrow,
Rolf Meyer, 0543/429
oder E-Mail an
rha.meyer@t-online.de

Rund 70 Jahre hat Meyer seine Tabak-Bildchen aufgehoben, nun sollen sie, unter weiteren Gesichtspunkten, demnächst – nach der Corona-Krise – in einer Ausstellung im Museum Wustrow gezeigt werden.

Auch große Original-Zeichnungen des Collie-Illustrators Schulz werden die Schau erweitern. Parallel werden die wenigen bekannten Collie-Bildsammler porträtiert. Auch soll im Museum ein Raum zur Geschichte des Tabakanbaus im Wendland hergerichtet werden, „der ist nämlich noch gar nicht richtig aufgearbeitet.“

Das Museum Wustrow freut sich daher, wenn sich ehemalige Collie-Raucher-, Sammler und Interessierte melden.

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