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Lebendige Kirche – Patronate heute

Letzter Teil der Serie über mittelalterliches Kirchenrecht im Wendland

duh Lüchow-Dannenberg. In der Evangelischen Landeskirche Hannover gibt es noch 80 Patronate – ein Viertel davon, etwas über 20, gibt es allein im Wendland. Sind Patronate im Alltag ein alter Zopf oder ein sinnvolles Modell einer Schirmherrschaft? Im heutigen letzten Teil unserer Serie Patronate wagen wir einen Blick in die Zukunft.

In Niedersachsen gibt es seit 1981 ein Kirchengesetz über Patronate. Zusammenfassend beschreibt Dr. Johannes Neukirch, Pressesprecher der Landeskirche: „Das Patronatsgesetz regelt die Rolle des Patrons in der Gemeinde. Das Gesetz bestimmt auch, wie mit dem Patronat bei Veränderungen der Bedingungen umgegangen wird, beispielsweise, wenn Kirchengemeinden zusammengelegt werden. Es bestimmt weiterhin, dass keine neuen Patronate in der Landeskirche errichtet werden dürfen. Und schließlich erläutert das Gesetz, unter welchen Bedingungen ein Patronat erlischt beziehungsweise aufgelöst werden kann.“

Durch das im Niedersächsischen Patronatgesetz verankerte Recht auf einen wahlunabhängigen Sitz im Kirchenvorstand ist dort neben dem Pfarrer eine weitere Person vertreten, die für Kontinuität in der Arbeit des Kirchenvorstandes steht. Pastor Andreas Wehen in Schnega, der mit Elke von Reden, geborene Freifrau Grothe, einer Patronin mit einer 60-Jährigen Amtszeit, zusammengearbeitet hat, betont, dass er „das Patronat als positive Erweiterung, als Bereicherung meiner Arbeit beziehungsweise der des Kirchenvorstandes erfahren“ habe. So wie Pastor Wehen in Schnega erleben auch viele der anderen Pastoren Patrone als hilfreich, als unterstützend. Sie setzen sich für ihre Gemeinden ein und versuchen, mit den ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen deren Anliegen erfolgreich umzusetzen. Der Gartower Patronatsfamilie von Bernstorff ist diese Kontinuität ihrer Arbeit in und für die Gemeinde wichtig. Aus ihrer Sicht können Patrone sich ganz anders in die Gemeindearbeit einbringen und sich für die Gemeinde und deren Anliegen auch überregional engagieren.

In Trebel ist die Besonderheit gegeben, dass die dortige Pastorin, Stefanie Pehlke-Siewert, sowohl für eine Patronatsgemeinde als auch Nicht-Patronatsgemeinden zuständig ist. Sie hat somit immer mit beiden Rechtsformen zu tun. Aus ihrer Sicht gibt es „dadurch immer eine Person, die sich nicht nur um die Finanzen kümmert, sondern die sich auch inhaltlich mit kirchlichen Belangen auseinandersetzt und diese nochmal auf eine ganz andere Art und Weise leben, weitergeben und auch in die Gesellschaft tragen kann.“

Die Patrone im Kreisgebiet setzen sich gegenwärtig dafür ein, dass etwa bei der Berechnung von Pfarrstellen für ländliche Regionen ein anderer Personalschlüssel zugrunde gelegt wird als im städtischen Bereich. Sie engagieren sich bei Stellenbesetzungen, besorgen Gelder für Anschaffungen oder Reparaturen außerhalb des laufenden Kirchenetats, etwa für den Kichenchor. Für Stefanie Pehlke-Siewert können sie sich „auf anderen, sozusagen höheren, Ebenen der kirchlichen Hierarchie einbringen. Ein solches Engagement hat nichts direkt mit unserem Gemeindeleben zu tun, im Sinne davon, dass er sich dort zeigt und was tut. Aber er setzt sich ja für uns und für die anderen Gemeinden, für die er – in diesem Fall – ja nicht Patron ist, ein“. Das Patronatsgesetzt sieht auch vor, das bei Zusammenlegungen von Patronats- und Nicht-Patronatskirchengemeinden das Patronat ruht. Für Gartow ergab sich die Situation, dass sechs Gartower Patronatsgemeinden mit Schnackenburg als Nicht-Patronatsgemeinde zusammengelegt wurden – und damit das Patronat für die Gartower Kirchengemeinden hätte ruhen müssen. Damals hat sich der Schnackenburger Kirchenvorstand dafür ausgesprochen, dass das Patronat bestehen bleibt und alle sieben Gemeinden zusammen in einer veränderten Rechtsform, dem Kirchspiel zwischen Elbe und Seege, zusammengefasst werden. Sabine von Sydow, Vorsitzende des Kirchenvorstandes, empfindet die Zusammenarbeit mit den Gartower Patronatsgemeinden als bereichernd, „Alleine als Kirchengemeinde wären wir praktisch handlungsunfähig.“ In Satemin ruht seitdem das Patronat.

Neue Patronate können, nachdem Kirchen-Patronatsgesetz § 1.2., nicht mehr errichtet werden. Der Fortbestand dieser Rechtsform hängt davon ab, ob die Nachfolger, die Erben, die Käufer, der bisherigen Patronatsimmobilien, bereit sind, das Patronat weiterzuführen und ob die Landeskirche das Patronat weiterhin in dieser Form akzeptiert.

In zwei Patronaten, Plate und Schnega, hat in den vergangenen Jahren im Rahmen von Besitzerwechseln auch einen Wechsel in den Patronaten gegeben. Für Plate ist Imai von Blottnitz und in Schnega Jobst von Reden Patronats-inhaber. Beide haben Patronate übernommen, in denen es vieljährige Patrone – 40 Jahre in Plate und 60 Jahre in Schnega – gab. Ihnen ist ihr Patronat wichtig. Sie wollen es nutzen, um Gemeindeleben zu erhalten. Imai von Blottnitz möchte erreichen, dass die Gemeinde ihr Gesicht behält. Ich möchte immer dafür sorgen, dass die Kirche, die Gemeinde mit ihren Besonderheiten auch weiterhin gesehen wird, dass die Kirche als Kirche weiterhin gelebt und unterhalten wird.“

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