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Schriftsteller als Kursleiter

Schreibwerkstatt mit Autor Jan Peter Bremer

rhy Lüchow. Noch am Vorabend hatte Jan Peter Bremer im Künstlerhof aus seinem Buch „Der junge Doktorand“ vorgelesen – zum Auftakt der literarischen Veranstaltungsreihe „Zusammenleben – Wurzeln und Wandel“. Ins Leben gerufen und moderiert von Britta Gansebohm, die wie Bremer im Wendland aufwuchs und wie er inzwischen in Berlin lebt. Veranstalter dieser Literaturreihe, die noch bis September geht, ist der Kulturverein Platenlaase. Nun leitete Bremer eine Schreibwerkstatt. Die 16 Teilnehmer, die am Begegnungszentrum Allerlüd in Lüchow eintrafen, waren gespannt, was da auf sie zukommen möge. Bei schönstem Wetter saß man bei Einhaltung der Corona-Regeln draußen unter schattenspendenden Bäumen jeweils zu zweit an einem Tisch.

„Es ist immer gut, andere Leute zu treffen, die auch schreiben, das führe immer weiter“, ist Bremer sich sicher. Er selbst fing mit 13 Jahren an zu schreiben, inspiriert durch „Als Opa die Oma erstach“ aus „Schreckensnachrichten von illustrierten Polizeiberichten des 19. Jahrhunderts“, entdeckt in der Familienbibliothek. Diese waren mit Kupferstichen illustriert und schienen ihm erzählenswerter als die langweiligen Texte selbst. Zur Schreibwerkstatt hatte er ein Plakat des Werks „Mann und Maus“ der Düsseldorfer Künstlerin Katharina Fritsch mitgebracht. Eine riesige schwarze Maus thronte auf einem Bett, in dem ein Mann zu schlafen oder schon tot zu sein schien. Was hatte es mit dem zur Kunst gewordenen Albtraum auf sich? Das genau war die Aufgabe, die auf die Schreibwerkstattbesucher zukam. Eineinhalb Stunden hatten sie Zeit, dazu eine Geschichte zu verfassen. „Ich gebe diese Schreibaufgabe, aber jeder kann schreiben, was er will. Da kann ich nichts gegen machen. Das freut mich nicht, das ärgert mich auch nicht“, muntert Bremer seine Schüler auf. Wer wollte, konnte seine Geschichte vorlesen, denn: „Für das Schreiben selbst ist der Austausch untereinander sehr wichtig. Erst wenn jemand anders darauf guckt, ist der Text behandelbar“, sagt Bremer. So hatte eine Teilnehmerin eine Mäusephobie und musste die mit ihrem Text erst einmal überwinden. Eine andere fragte sich, „will der mir den Tag versauen?“, und erlebt im Schreiben „eine Befreiung des Widerwillens gegen das Werk der Künstlerin.“ Andere wiederum halten sich nah an die Vorlage des Bildes. Die 14-jährige Paula Jensen (Schlanz) liest ganz modern ihren Text per Handy vor. „Traum-Raum-Geschichte“ deklariert Bremer, „eine mit Action von ewiger Höllenqual“. In einem anderen Text wird das Thema Tierversuche beim Treffen in einer Talkshow verarbeitet und die anderen würden gerne wissen, wie es weitergeht. Die 13-jährige Apollonia Ottavio (Hitzacker) schreibt fast nur, wenn „sie schlechte Momente“ hat, da kommen ihre Eingebungen her und gehen dabei sehr ins Poetische, um nur einige der Themen zu nennen, die aus der Schreibaufgabe entstanden sind. Zum Ende ein großes Lob des Autors: „Keine und keiner von Euch darf aufhören zu schreiben. Es war ein wunderbarer Austausch mit Euch und hat mir sehr viel Spaß gemacht.“ Schmunzelnd fügt er hinzu, er habe jetzt vielen neuen Stoff für weitere Romane.

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