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Ursprünglich ein farbiges Mahnmal

Wer an der Vietzer Elbuferstraße spazieren geht, wird sich über den massigen Würfell aus Feldsteinen wundern, der schon von weitem zu sehen ist. Das Gebäude thront wie eine Trutzburg auf der Anhöhe hoch über der Elbe.

Wer näher herankommt, wird erkennen, dass es sich um eine Gedenkhalle für gefallene Soldaten aus beiden Weltkriegen handelt – Vorfahren von zahlreichen Höhbecker Familien.

Keiner ahnt, dass dieses Gebäude einmal mehr war als eine Erinnerung an gefallene Soldaten aus den Höhbeck-Dörfern. Der Planer und Baumeister dieser „Gedenkhalle“ Adolf Schlawing, Vietzer Künstler und Heimatmaler, plante es als „Weihestätte“, „ein Erinnerungsmal für ein unerhörtes Geschehen, einen jahrelangen, entsetzlichen Krieg,“ sollte es werden, wie sich aus den Notizen von Schlawing ergibt. Einen Raum der Ruhe und Besinnung plante Schlawing.

Nicht umsonst war es Schlawing ein dringendes Anliegen, dieses Erinnerungsdenkmal zu erbauen. Er war selbst schwer verwundet aus dem ersten Weltkrieg zurückgekommen. 1920 zog er nach Vietze, weil er sich hier die nötige Ruhe erhoffte, um sich ganz seiner Kunst zu widmen.

Kaum am Höhbeck angekommen, beschäftigte er sich schon mit der Realisierung dieses Erinnerungsmals. Angesichts von Materialknappheit und Inflation musste improvisiert werden. Aus dem Dorf halfen viele Einwohner beim Bau mit. Baumaterial wurde mühselig herangeschafft, Stein für Stein per Hand aufgesetzt.

Da schmückende Bauelemente nicht finanziert werden konnten, mussten Farben Ersatz schaffen, um den künstlerischen Ausdruck zu gewährleisten. „So liegt also der Hauptakzent auf der farbigen Raumgestaltung,“ schrieb Schlawing in einem Text über die Gedenkhalle. „Feierlichkeit, Würde und Schmuck konnten nur durch sie gegeben werden.“

Vier große Wandbilder sollten „das gewaltige Erleben von vier Kriegsjahren“ versinnbildlichen: „Der Auszug der Krieger, die Klage der Frauen um die Gefallenen, die Verklärung des toten Helden im Lichte und Frieden – Wiederaufbau!“ (Zitat Schlawing).

„Goldiges Licht, Rot, Blau, hellstes Gelb, ruhiges Braun – der Eindruck dieser leuchtenden Farben“ sollte den Beschauer aus dem Alltag herausreißen und in eine besondere feierlich-ernste Stimmung bringen. Eine umlaufende Bank sollte die Besucher zum Verweilen einladen.

Im Herbst 1921 konnte dann die Eröffnung gefeiert werden. Auch wenn Adolf Schlawing später innerhalb der nationalsozialistischen Strukturen“politischer Leiter“ am Höhbeck wurde. Der trutzige Bau hat mit nationalsozialistischer Ästhetik nichts zu tun. Schlawing fand seine Vorbilder eher in mittelalterlichen Festungen. Nicht umsonst wurden die Besucher der Halle mit einem Zitat aus Psalm 46 „ein feste Burg ist unser Gott …“ entlassen.

Heute ist von der ursprünglichen Gestaltung wenig übrig geblieben. Von den Wandbildern ist nichts mehr zu sehen. Sie wurden vor Jahrzehnten mit Klinkern verdeckt und zwei große Steintafeln mit den Namen gefallener Soldaten aus beiden Weltkriegen aufgehängt. Doch wer durch die Glaskuppel in den Himmel schaut, ahnt vielleicht noch etwas von der ursprünglichen meditativen Kraft des Raums.

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