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Ajus zweite Premiere

„Auenelf“ wurde im Lenzener Burggarten aufgeführt

kek Lenzen/Elbe. Freitagnachmittag ab 16 Uhr im Lenzener Burggarten: Die Sonne schien, als hätte sie’ s gewußt, und vor der kleinen Bühne an der Orangerie hatten sich nicht nur kleine Gäste versammelt. „Wir sind hergekommen, weil es nicht viele kulturelle Angebote gibt, und so sind wir auf das gespannt, was uns jetzt präsentiert wird“, erzählte ein Ehepaar aus Breetz, welches vor fünf Jahren noch in Berlin gelebt hatte.

Präsentiert wurde dann per Puppentheater die Geschichte von Aju, dem Auenelf, die andererseits auch die Geschichte von Bauer Heinrich ist: Besagter Landwirt lebt „irgendwo im Norden“ inmitten einer Aue, die sein Widersacher, Herr Kahr, nur allzugern aufkaufen und in eine trostlose Landschaft voller Beton verwandeln möchte. Zu allem Unglück herrscht dazu eine enorme Trockenheit, und die Kühe des Bauern sind vor dem Verhungern.

Der Höhepunkt des Stückes: Der Unternehmer bietet dem Bauern enorm viel Geld für sein Land. Verkauft er nun oder nicht? Auch Auenelf Aju hat von dem drohenden Verlust gehört und bricht ein seit 800 Jahren bestehendes Elfengesetz, welches den Wesen verbietet, mit Menschen zu sprechen. Er beschwört den Bauern: „Verkaufe dein schönes Land nicht, denn sonst müssen wir Elfen von hier weg und uns woanders etwas suchen!“

Nein, natürlich kommt es nicht zu dem Zwangsverkauf – letztlich wendet sich alles wie durch ein Wunder, sprich, durch das Eingreifen der Natur, zum Guten. Aber dagegen veräußert der Bösewicht, der zudem damit überführt wurde, dass er Heinrichs letztes Heu gestohlen hatte, zuletzt sein großes Gelände an den Bauern „für nen Appel und n’ Ei“.

Schließlich war es im Laufe des Geschehens sogar dazu gekommen, dass das Gebiet für den geldgierigen Unternehmer plötzlich nichts mehr wert war – dafür aber in einigen Jahren dem naturnahen Tourismus vielfältige Möglichkeiten bieten könnte.

„Bestimmt kommen dann Leute hierher, die hier Urlaub machen wollen. Und wenn sie sich in der Natur erholen können, sind sie weniger krank“, sinniert Heinrich zuletzt zufrieden über die bald regenerierte Auenpracht nach.

Großen Beifall gab es dann für Claudia de Boer, der Autorin, Puppenbauerin, Regisseurin und Akteurin des Stückes. Die gebürtige Bad Oldesloerin, die seit neun Jahren in der Nähe von Hitzacker lebt, hatte das 20-minütige Theaterstück auf eine Ausschreibung des Europäischen Zentrums für Auenkultur hin geschrieben – und die Förderung gewonnen. Seither hat die Künstlerin den „Auenelf“ nicht nur deutschlandweit, sondern auch hin bis nach Südtirol gezeigt. Die Lenzener Darbietung war nun etwas wie eine zweite Premiere, da aus den allgemein bekannten Gründen erst seit sechs Monaten wieder eine Aufführung möglich war.

„Dieses Jahr sollte eigentlich das große Auenelf-Jahr werden, aber das wird nachgeholt“, meinte die 52-jährige zu ihrem Erfolgsstück.

Und was sagten die Breetzer Zuschauer zum Auenelf? „Extrem gut, sehr rührend und nachdenklich machend – über die Natur, das Geld und den Kapitalismus!“

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