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Den Horizont weiten

Literarische „Reise durch Europa“ startet heute

rs Dannenberg. Literatur ist Spiegel der Kultur, der politischen Verhältnisse, der Sitten und Gebräuche, der Werte und Normen der jeweiligen Zeit. Literatur hat Intentionen – und sei es eben keine zu haben. Sie ist mehr als mit Sprache bedrucktes Papier – mal unterhaltsam, mal lehrreich, im besten Fall beides. Dies beweist Heike Grüter-Hommerich in ihrem Dannenberger Hotel Alte Post, seitdem sie vor fünf Jahren das Haus mit ihrem Mann übernahm, bei ihren Lesungen. Mal stand ein Gedicht-, mal ein Romanzyklus im Mittelpunkt, dann ein Drama.

Am Mittwoch, 2.09., um 19 Uhr startet eine Reihe mit dem Thema „Eine Reise durch Europa“. Den Auftakt bestreitet Grüter-Hommerich mit „Don Quijote“ von Miguel de Cervantes (1547-1616). Stets am ersten Mittwoch des Monats ab 19 Uhr folgen bis Mai Flauberts „Madame Bovary“, Boccaccios „Decamerone“, Dickens‘ „Der Geist der Weihnacht“, ein Exkurs zu Hans Christian Andersens „Schneekönigin“, zu den „Mumins“ von Thove Jansson, zu slawischen und zu finnisch-estnisch-ungarischen Schriftstellern bis hin zu Nikos Kazantzakis‘ „Freiheit oder Tod“.

Die Begrifflichkeit „Lesung“ trifft bei den kostenfreien Literaturmomenten nicht der Kern der Veranstaltung, die den Horizont weitet, den Blick verändert. Die Wirtin, die zudem eine Schule für Hochbegabte leitet, wird zur Geschichtenerzählerin, führt währenddessen nebenbei in den historischen Kontext ein, baut Brücken zu Entwicklungen anderer Disziplinen, schlüpft in Rollen, zeigt ihr schauspielerisches Talent, illustriert bunt und frei scheinbar schwere Kost, macht diese mit einem schelmischen Augenzwinkern gut verdaulich. So wird die „Lesung“ eine kulinarische Erfahrung, die zudem Spaß macht.

„Es geht in dieser Reihe um Europa, um Betrachtungen über Gemeinsamkeiten und Unterschiede.“

Heike Grüter-Hommerich

Bei ihren Vorbereitungen habe sie in der Literatur regionale Unterschiede festgestellt, die in erster Linie kulturelle, politische und konfessionelle Hintergründe haben. Jeder dieser Regionen widmet sie jeweils mindestens eine Stunde. So steht bei „Don Quijote“ neben dem Buch natürlich auch der Autor, dessen Lebensgeschichte selbst ein Roman wert wäre, im Fokus. Aber auch den Figuren des Träumers Quijote und des Realisten Sancho Pansa widmet sie sich, zeigt dabei auf, wie diese Figuren noch heute unser Denken – zumindest in Westeuropa – beeinflussen. Durchaus schwierig sei die Betrachtung slawischer Literatur, da die slawischen Völker über die Jahrhunderte meist eine Fremdherrschaft erdulden mussten. Da in der Literatur meist aber die Sprach der Eliten verwendet wird, konnte sich slawische Literatur – so wie eine jeweilige nationale Identität – kaum entwickeln. „Aber es gibt einige gute Werke; sie werden aber kaum übersetzt“, kommentiert Grüter-Hommerich. Zurück zu Europa: „Man darf es vergleichsweise jungen Nationen nicht verdenken, Europa mit anderen Augen zu sehen als den älteren.“ Und auch das möchte Grüter-Hommerich: Sichtweisen anderer, auch anderer Völker, besser verstehen.

Redaktion Kiebitz 05841/127 420 seide@ejz.de

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