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Eine Horde Jugendlicher wartete geduldig vor einer Lüchower Pizzeria auf ihre Idole, den Internet-Streamer Trymacs und seine Freunde.

„Machen Reallifestream“

Twitch-Star Trymacs im Wendland

bv Lüchow. „Streamsnipen“ nennt sich das. Trymacs ist bekannt geworden als „Let’s player“ und Vlogger. Das heißt, er spielt Computerspiele und filmt sich dabei. Und Tausende gucken zu. Das funktioniert als Geschäftsmodell.

Wo aber sind sie?

Reporterglück: Auf dem Nachhauseweg fahre ich am Restaurant „Da Mario“ in Lüchow vorbei. Und da stehen zwei weiße E-Roller vor der Tür. Ich halte an und frage nach. Tatsächlich: Trymacs is in town. Anruf bei der Ehefrau, die, leicht genervt, Jakob nach Lüchow fährt, Ehrensache. Jakob hat noch zwei Freunde und seine kleinen Brüder im Schlepptau. Sie sind nicht die Einzigen, die die Internetstars jagen: Vor der Pizzeria drücken sich bereits Horden von Jugendlichen herum, am frühen Freitagnachmittag. Über die sozialen Medien hat es sich innerhalb von Minuten herumgesprochen, dass Trymacs samt Entourage in Lüchow Station macht.

Die Youtuber finden den direkten Fankontakt übrigens eher „unangenehm“, wie es an einer Stelle heißt, als ein Vater spontan um ein Selfie für seinen Sohn bittet. Zuschauer gern, aber bitte nur online, nicht im „real life“. Die Live-Zuschauer wiederum feiern diesen Vater, was Trymacs dann witzig findet.

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Auch der Wirt bekommt mit, dass sein Restaurant belagert wird. Er fragt: „Wer ist das?“ Ich sage: „Ein bekannter Youtuber.“ Er fragt: „Ist das gut für uns?“ Ich sage: „Sicher!“

Wir dürfen ein Foto mit Trymacs und den Kellnern machen.

Und irgendwann lässt sich Trymacs breitschlagen. Er kommt mit nach draußen und lässt sich geduldig fotografieren. Was früher ein Autogramm war, ist heute ein Selfie mit dem Star. Nur drei Jugendliche gehen leer aus: Sie waren im Restaurant und haben heimlich fotografiert. Das gehört sich nicht. „Gleich entfreunden“, lachen die Jugendlichen, sie tragen es mit Fassung.

Beide Seiten, die Fans und Trymacs, haben viel Zeit: Sechs Stunden müssen ihre Akkus laden, bevor sie weiterrollern können. Die Wirte lassen ihre Mittagspause ausfallen. Irgendwann wird der Ansturm wieder so groß, dass Trymacs und seine Gang – Hanky, Chefstrobel, Rumathra und BigSpin, allesamt bekannte Streamer – noch mal in den nahen Park gehen und sich fotografieren lassen. Übrigens die letzten Fotos mit Fans – wer nach diesem Zeitpunkt fragt, wird abgewiesen. „Sonst wollen alle Fotos machen“, heißt es. Frage an Trymacs, warum sie die Tour machen. „Wir wollen einfach mal Reallifestreams machen, nicht immer nur Spiele.“

Am späten Abend bricht die Gang wieder auf. Sie fahren die ganze Nacht, Zehntausende gucken live im Internet zu. Wenn der Stream zusammenbricht, ist ein „Mod“, ein Koordinator, in Hamburg online und erzählt, was gerade los ist.

Jakob und sein Kumpel Willem habe es am Ende auch in den Livestream geschafft. Sie radeln „ganz zufällig“ an den E-Roller-Piloten vorbei und wünschen gute Fahrt. Trymacs bedankt sich, ruft: „War schön bei euch!“ Später freut sich Trymacs, dass sogar ein Pressevertreter vor Ort war. „Das scheint etwas wirklich Besonderes zu sein, wenn ein Roller hier durchs Dorf fährt.“ Touché.

Sie übernachten bei Fans im Garten, laden Akkus, fahren weiter, kommen abends in Berlin an. Die „Silent Angels“ fahren bis dahin viel auf Radwegen. Sie können sich die ganze Zeit unterhalten, da die E-Roller völlig lautlos fahren. In Berlin werden sie am Brandenburger Tor von Fans erwartet.

So ändern sich die Zeiten. Um es mit Bob Dylan zu sagen: „Times, they are a-changing.“ Bob wer? Liebe Jugendliche, Bob Dylan ist ein Musiker. Müsst ihr mal googeln.

Björn Vogt

Redaktion Kiebitz 05841/127 422 vogt@ejz.de

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