Anzeige

Mit Balance in Bewegung

Fahrradgottesdienst zum Stadtradel-Auftakt

rs Hitzacker. Biker- oder Motorradgottesdienste gibt es jährlich einige. Europas größte findet – in diesem Jahr coronabedingt nicht – an Hamburgs Michel statt. Fahrradgottesdienste hingegen muss man suchen – zumal solche, die von einem passionierten Radler gehalten werden, der selbst jährlich Tausende Kilometer im Sattel sitzt oder steht. Am Sonntag trat dazu der Prädikant Hartmut Meier vor Hitzackers St.-Johannis-Gemeinde. Vor der Kirche – weil dort gesungen werden durfte – fand sich unter blauem Himmel eine Schar ein, um einen abwechslungsreichen Gottesdienst zu feiern, der gleichsam den Auftakt des diesjährigen Stadtradelns darstellte. Unterstützt wurde Meier, der seit 1974 in Hitzacker wohnt, bis 2015 zunächst an einer Lektorenausbildung teilnahm, um im Weiteren im Rahmen einer zweijährigen Ausbildung Prädikant zu werden, der eigenständig Predigten schreiben und verwenden, einen Talar tragen und das Abendmahl feiern darf, von Hans-Albrecht Wiehler, einem der drei Hauptorganisatoren des Stadtradelns Hitzacker sowie dem Musiker Michael Franke.

Mit Zitaten – unter anderem von Mark Twain, Adam Opel, Albert Einstein, Ernest Hemingway und natürlich von Radlerlegende Eddie Merckx – gestalteten Meier und Wiehler den Einstieg. Alles, wirklich alles war auf das Thema abgestimmt: die Danksagungen, die Fürbitten, die Liedauswahl und natürlich auch die Predigt: „Das Leben ist wie Radfahren. Um in Balance zu bleiben, musst du in Bewegung bleiben“, predigte Meier, der erst am Wochenende die Strecke Bad Harzburg-Hitzacker, immerhin 194 Kilometer, zurücklegte. Das gesamte Leben sei wie eine Radtour. Bei beidem beginne es mit einem Start. Es gebe Aufstiege und Stürze bis letztlich das Finale anstünde. Das Radeln sei gut für Körper und Seele und führe Meier aus räumlicher Enge, habe ihm in den vergangenen Monaten aus der Corona-Zwinge befreit. Frei nach Karl Marx, von dem man sonst eher selten in Gottesdiensten hört, gab Meier zum Besten: „Radfahrer! Ihr habt nichts zu verlieren – außer eurer Kette.“ Ja, etwas Freude tut jedem Gottesdienst gut – und dieser wurde zudem von dem fröhlichen Gesang hunderter Vögel begleitet. Letztere trillerten auch bei dem Lied mit, das der Jürgen Holly, Pfarrer aus Barsinghausen, auf das Lied „Wohl denen, die da wandeln“ von Heinrich Schütz umgetextet hatte: „Wohl denen, die da radeln – mit Gott fahr ich sehr weit. Die Autofahrer tadeln – die drängeln alle Zeit. Doch ich fahr locker lächelnd zu, kein Ärger währet ewig. Mit Gott fahr ich stets in Ruh.“

Nach dem Segen ging es zum Bürgerpark, wo etwa 50 Radler darauf warteten, eine rund anderthalbstündige Auftakttour durch die Elbmarsch zu unternehmen. Und die Hitzackeraner – darunter auch wieder ein Team der St.-Johannis-Gemeinde – hat in diesem Jahr bei ihrer fünften Teilnahme viel vor. War man doch im vergangenen Jahr beim Stadtradeln unter den Top Ten der besten Gemeinden im Bundesgebiet. Was alle eint: 21 Tage lang möglichst viele Alltagswege klimafreundlich mit dem Fahrrad zurückzulegen.

Ronald Seide

Redaktion Kiebitz 05841/127 420 seide@ejz.de

Anzeige

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.