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„Mit Persönlichkeit gefüllter Raum“

Lüchow-Dannenbergs Handel bietet mehr als Verkauf

rs Regional. „Zwei Drittel der Geschäfte in unserer Region hatten während des Lockdowns vier Wochen lang geschlossen. Etwa die Hälfte der Geschäftsleute rechnet erst im kommenden Jahr damit, wieder an die Ergebnisse von vor der Pandemie anzuschließen“, führt Hensel, der geschäftsführender Inhaber des Lüchower Wendlandmarktes und gewähltes Mitglied der Vollversammlung der IHK Lüneburg-Wolfsburg für den Handel in Lüchow-Dannenberg und Uelzen ist, aus. Er skizziert weiter: Bis zu zehn Prozent des stationären Einzelhandels drohe mittelfristig die Schließung, wenn die Einkäufe in den betreffenden Läden bis Jahresende nicht zunähmen. Es ist Hensel natürlich bewusst, dass viele potenzielle Kunden derzeit selbst – bedingt zumeist durch Kurzarbeit – über ein Weniger im Geldbeutel verfügen, aber es gebe auch andere. Und jedem müsse man vor Augen führen, „dass manche Einkäufe vor Ort, wenn sie nicht demnächst getätigt werden, im kommenden Jahr vielleicht nicht mehr möglich sind.“ „Heimat shoppen“ sei in diesem Jahr mehr als das bloße Veranstalten von zwei Shopping- und Eventtagen, wobei das Event wegen der Corona-Auflagen hinten an stehen müsse. Die „Lange Nacht der schönen Künste“ in Dannenberg etwa, die sonst zeitgleich stattgefunden hätte, muss ausfallen.

„,Heimat shoppen‘ ist 2020 mehr eine Bewusstseinsaktion.“

Und das Handeln der Kunden dürfe nicht auf die Dauer der Aktion beschränkt bleiben, sondern müsse Kontinuität erfahren und sich auch auf Produkte beziehen, die nicht zum täglichen Leben dazugehören, also auf den zweiten und dritten Einkauf, sind sich Hensel und Christian Willam, Vorsitzender der Dannenberger Werbegemeinschaft (WG) sicher. „Wir werden das Loch nicht füllen, das der Lockdown gerissen hat“, meint Willam, der die Situation etwas entspannter einschätzt als Hensel. In Dannenberg verfüge man überwiegend über inhabergeführte Läden. Hensel wünscht sich die Möglichkeit, verkaufsoffene Sonntage auszurichten, was wegen der unüberschaubaren Lage aber derzeit nicht planbar ist. Ursprünglich wollte man am 4. Oktober in der Kreisstadt einen solchen ausrichten. „Vielleicht locken auch kleine liebevolle Weihnachtsmärkte in unsere Geschäfte“, so Willam, der mit dem Stadtmarketing eine Weihnachtswoche gestalten möchte, einen „mit Persönlichkeit gefüllten Raum“ – auch in Hitzacker. In Lüchow soll es etwas Ähnliches geben. Beide hoffen, dass Geld, das ursprünglich für einen Urlaub vorgesehen war, nun in Werte gesteckt wird, die vor Ort erworben werden, für die Gastronomie, dass der verstärkte Tourismus, der in den vergangenen Wochen für Aufschwung sorgte, anhält.

Letztlich treffe sich der Kunde selbst, wenn man den stationären Handel nicht nutze, der – falls nicht vorrätig – nahezu alles kurzfristig bestellen kann: Wenn das Geschäft verschwunden ist, wo man sonst stets die tollen Preise für die Vereinstombola erhalten hat. Wenn der Ausbildungsplatz, den man sich für seinen Nachwuchs wünschte, vor Ort verschwunden ist (siehe Kasten Seite 9). Man sei – auch dank der Abgeschiedenheit des Landkreises – zwar noch in Breite und Tiefe des Angebotes gut aufgestellt. Andere Grundzentren, die sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu Mittel- oder Oberzentren befinden, veröden zusehends. Ein Beispiel: Dahlenburg bei Lüneburg.

Hensel und Ursula Fallapp, Leiterin des Dannenberger Stadtmarketings, sehen auch positive Entwicklungen, bei denen aber nicht absehbar sei, wie lange diese anhalten: So frequentierten in jüngster Vergangenheit sehr viele auswärtige Kunden die Geschäfte und die gastronomischen Einrichtungen. „Wir hatten 50 bis 55 Anfragen pro Tag“, erläutert Fallapp, die über den Verein ALMA die Gästeinformationen in Dannenberg und Hitzacker betreibt. Noch immer seien die Bettenhäuser im Nordkreis sehr gut ausgelastet. Man profitiere in der Region von der Weite des Raumes und den niedrigen Infektionszahlen. Natur, geringe Bevölkerungsdichte, Abgeschiedenheit und ein solides Angebot machten Lüchow-Dannenberg zum beliebten Urlaubsziel und damit zur Region für Einkäufe und lukullische Erlebnisse. Andererseits ist vielen Landkreisbewohnern derzeit eine Einkaufsfahrt nach Lüneburg oder Hamburg zu heikel. Was hier positive Einflüsse hat, ist dort verheerend, weiß Hensel, der durch sein Engagement bei der IHK Lüneburg-Wolfsburg tiefe Einblicke in das Gesamtgeschehen in Nordostniedersachsen hat.

Für „Heimat shoppen“, aber auch für die gesamte Zeit während Corona bitten die Kaufmannschaft und die Gastronomen vor Ort, eigenständig an die Maßnahmen zu denken, die während der Pandemie gelten – etwa das selbstständige Ausfüllen der Kontaktliste im Restaurant. „Und bitte machen Sie den Ladner nicht für die äußeren Umstände verantwortlich“, so Hensel.

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