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Todesstreifen als Vermächtnis

Extremwanderer unterwegs in der Kiebitz-Region

kek Lenzen/Elbe. Der 52-jährige Thorsten Hoyer über Schnackenburg: „Das ist ein wunderschönes Städtchen mit vielen idyllischen Fachwerkhäusern, aber ich kenne den Ort schon, denn im vergangenen Jahr war ich ja bereits mit dem Fahrrad hier.“ In aller Frühe ging es heute aus den Federn und selbstverständlich den Deich bis zur Lenzener Fähre entlang. In Schnackenburg gesellte sich Svenja Walter, die die Wanderung täglich unter www.wandermagazin.de kommentiert, zu ihrem Chef. Fotos steuert Filmemacher Philipp Opigez bei. „Man kann es nur erahnen, was hier einmal losgewesen ist“, beschreibt der Kölner, der mit Tausenden Fotos die Reise dokumentiert, seine Eindrücke.

Und wie beeindruckt Thorsten Hoyer das bis jetzt Gesehene? – „Mit jedem Kilometer, den ich bis jetzt zurückgelegt habe, steht mir die unsinnige Grenze und das viele Leid, das sie den Menschen gebracht hat, vor Augen.“ Der Grenzwanderer weiß, wovon er spricht. Sein Vater ist 1962 erfolgreich nach Westberlin geflüchtet. Dann erspäht Thorsten Hoyer mit seinem wachen Blick aber etwas anderes: den nahe der Fährstelle sich befindlichen Gedenkstein an den Freiherrn von Wangenheim-Wake. „Was ist das?“ Und auf die Erklärung hin, dass wenigstens dieser Stein, der an den rührigen Deichhauptmann erinnert, die DDR-Vernichtungswelle überstanden hat, kommt die Antwort: „Sehr schön!“

Mit den drei Frauen geht es nun gemeinsam in Richtung Lenzer Wische, und es wird über alles Mögliche gesprochen, über Wanderstrecken, Marketing, über die Zukunft des Naturschutzes und natürlich über das „Grüne Band“.

Bis jetzt hatte der Erfurter seine Strecke überwiegend auf dem Grenzer-Plattenweg zurückgelegt. „Da sieht man die Natur, denn Menschen trifft man kaum. Ich habe Schwarzstörche, Silberreiher und andere seltene Vögel und auch Tiere gesehen. Damit ist das „Grüne Band“ in doppelter Hinsicht etwas ganz Besonderes. Zum einen hinsichtlich des Naturschutzes, und zum anderes ist es ein Vermächtnis. Hier ist zu sehen, wohin verbohrte Ideologien führen können, und es ist unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass sich so etwas niemals wiederholt.“

Einen kleinen Verschnaufer gibt es dann am Ortseingang von Mödlich. Dort steht Bernd Streiters wuchtiger „Charon“ –- der Fährmann zwischen den Welten. „Ob der sich wohl bewegen lässt?“ Natürlich nicht, aber ein bisschen Spaß muss schon sein – und erst recht, wenn es regnet.

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