Ohne Fähre unter sich

Statt Einheitsfeier gab es in Lanz ein Konzert

kek Lütkenwisch. Nein, niemand hatte so richtig daran geglaubt, dass am Sonnabend anlässlich des 30-jährigen Jubiläums zur Deutschen Einheit die Schnackenburger Fähre verkehren würde, obwohl es einige Tage vorher von Amtsdirektor Harald Ziegeler zugesagt worden war. Und auch die Bestrebungen das Lanzer Bürgermeisters Hans Borchert, einen schwimm- und vor allem anlandefähigen Ersatz heranzuschaffen, blieben ohne Erfolg. „Und ohne Fähre keine Einheitsfeier“, so das Gemeindeoberhaupt. Schließlich wäre kein Schnackenburger oder Einwohner dessen Umgebung auf die Idee gekommen, einen langen Umweg in Kauf zu nehmen, um bei der Feier dabei zu sein. So gab es lediglich ein Traditionsfeuer ohne Rede und sonstige Feierlichkeit. Aber wer der Einheit gedenken wollte, konnte dies immerhin am Freitagnachmittag in der Lanzer Kirche tun, wo es ein „grenzenloses“ Konzert gegeben hatte. Dazu gekommen war der renommierte und preisgekrönte Landesjugendchor Brandenburg, dessen 16- bis 27-jährige Mitglieder aus allen Regionen des Landes stammen. Auf Initiative des Landesmusikrates durchgeführte Konzertreisen führten den Chor bisher in die Türkei, nach Lettland, Österreich, Italien, Brasilien, Norwegen, Chile, Polen, Südafrika, Spanien, Nicaragua, Vietnam und nach Litauen. „Und eigentlich müssten wir jetzt in Brasilien sein, aber aus verschiedenen Gründen geht das nicht“, war von Chorsprecher Paul Koellmann aus Potsdam zu erfahren. „So machen wir stattdessen eben eine Tour durch unser Brandenburg.“ Besonders erfreut war der Lanzer Pfarrer Nier. „Man ist auf uns zugekommen, ob der Chor bei uns auftreten darf, und da habe ich natürlich gern zugestimmt.“

Immerhin waren alle Bänke der Kirche mit interessierten Gästen besetzt, die diesem einmaligen Kunstgenuss begeistert lauschten. Denn zu Gehör gebracht wurde zwar geistliche und traditionelle Vokalmusik in A-cappella-Manier, aber in interessanten und modern anmutenden Adaptionen, und daneben ließen die jungen Leute auch ungewöhnliche Werke junger Komponisten zu Wort kommen. So gab es unter der Leitung der in Brasilien gebürtigen Chorleiterin Claudia Jennings nicht nur „Laetentur caeli“ aus dem Gregorianischen Repertoire und Mendelssohn Bartholdys „Jauchzet dem Herrn“, sondern auch Vaughan Williams beeindruckendes „The turtle dove“, Maurice Ravels „Trois Chansons“ oder gar Jakub Neskes „Mironczarnia“. Letzterer Vortrag des jungen polnischen Komponisten, der mit dieser bizarren Kreation bekannt wurde, hörte sich wie ein Mix aus Flüstern, Summen und einer sich dazwischen schlängelnden Sopranmelodie an. Den Gästen gefiel es: Rauschender Beifall belohnte die jungen Sängerinnen und Sänger, die alsbald weiterfuhren: „Denn unser nächster Auftritt ist morgen in Rathenow“, erzählte Konstanze Sander, die Generalsekretärin des Musikrates.

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