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„Wir vermissen den Austausch und das Feedback“

Wendländischer Diabetikertag 2020 fällt aus – wird aber in 2021 voraussichtlich nachgeholt

bv Clenze. In diesem Jahr findet der gemeinsam von der AOK und dem Schulungs und Betreuungsverein für Diabetiker und Stoffwechselerkankte e.V veranstaltete Diabetikertag nicht statt. Es wäre die 23. Veranstaltung dieser Art gewesen. Kiebitz-Redakteur Björn Vogt stellte dem Nephrologen Dr. Harald Letterer und Thorsten Schulz-Widdecke von der AOK einige Fragen rund um den beliebten Diabetikertag – und rund um Diabetes.

Was war der Gründungsgedanke des Diabetikertages, und wer hatte ihn?

Die AOK hat den Auftrag, Aufklärungsmaßnahmen und Präventionsveranstaltungen durchzuführen. Da die Anzahl der Diabetiker auch bei uns im Landkreis seit Jahrzehnten zunimmt, wollten wir mit einem Diabetikertag präventive Impulse geben. Damals hatten beide Institutionen die Idee zeitgleich – und beide waren auch auf der Suche nach einem starken Partner. Von Seiten der AOK brauchten wir das medizinische Know-how, was wir bei Dr. Letterer mit seinem Team fanden. Aus rechtlichen Gründen wurde der Schulungs- und Betreuungsverein für Diabetiker und Stoffwechselkranke e.V. von Dr. Letterer und seinem Team gegründet, um Veranstaltungen wie den Diabetikertag durchführen zu können. Zusammen wollten wir das Angebot zur Aufklärung für Diabetiker, deren Angehörigen und auch für Menschen, die sich für das Thema interessieren, sowie für Menschen, die vielleicht noch gar nichts von dieser Krankeit wissen, erweitern. Über das Maß hinaus, was im Alltag des Gesundheitswesen geliefert werden kann. Wir wollten mehr Aufmerksamkeit für diese Krankheit hervorrufen und zeigen, wie man die gefährlichen Folgen bei einer guten Behandlung verhindern und wie man trotz der Erkrankung gut leben kann. Dieses war auch ein Thema eines vergangenen Diabetikertages.

Wie hat sich der Publikumszuspruch im Laufe der Jahrzehnte entwickelt?

Im Laufe der Zeit hat sich der Wendländische Diabetikertag zu einer festen Größe im Landkreis Lüchow-Dannenberg entwickelt. Begonnen haben wir damals mit rund 75 Teilnehmern und konnten in den kommenden Jahren eine stetig wachsende Zahl – mit bis zu 500 Teilnehmern – verzeichnen. Zudem hat sich im Laufe der Zeit auch die Zusammensetzung der Teilnehmer verändert. So konnte man in den vergangenen Jahren zunehmend nicht nur Menschen mit Diabetes begrüßen, sondern vor allem auch Interessierte und nicht betroffene Menschen sowie Familienangehörige.

Wie dramatisch ist die Absage für 2020 aus Ihrer Sicht?

Uns fehlt etwas in diesem Herbst. Alle Vorbereitungen, wie Planungen, Vorbesprechungen, Abstimmungen und so weiter hatten wir getroffen – immer in der Hoffnung, unseren Diabetikertag durchführen zu können. Leider war dies aus bekannten Gründen nicht möglich. Wie wir werden auch die Betroffenen dieses Ereignis im laufenden Jahr vermissen. Das geplante Thema des Tages werden wir nicht verraten – weil wir damit hoffentlich im nächsten Jahr aktiv werden können.

Was wäre Thema in diesem Jahr gewesen?

Das geplante Thema bleibt noch geheim. Leider sind ja durch die Pandemie nicht nur der Diabetikertag betroffen, sondern auch alle weiteren Aktivitäten des Vereins für Diabetiker und Stoffwechselerkrankte e.V.

Wie beispielweise das gemeinsame Kochen und Backen mit Betroffenen zu Ostern und Weihnachten. Das stimmt nicht nur uns, sondern auch die Teilnehmer traurig.

Wie können Sie die Informationen trotzdem zu denjenigen bringen, die darauf angewiesen sind?

Trotz der vorherrschenden verschärften Corona- Bedingungen leisten alle Ärzte, wie auch unsere Praxis, weiterhin täglich Betreuungs,- Behandlungs- und Aufklärungsarbeit für das im Alltag der Betroffenen so wichtige Thema Diabetes mellitus.

Wer ist die Zielgruppe?

Die Zielgruppe sind natürlich alle betroffenen Menschen mit Diabetes. Aber nicht allein: Das Thema betrifft auch Angehörige und Menschen, die Interesse an dieser Erkrankung haben, wie etwa bei erhöhtem Risiko, einen Diabetes zu zu entwickeln. Das Thema ist auch interessant für Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes oder Menschen mit gehäufter Diabeteserkrankung in der Familie.

Wie hat sich der Diabetes an sich entwickelt? Gibt es mehr Betroffene als vor 20 Jahren?

Die Zahlen der Menschen, die jährlich neu an Diabetes mellitus erkranken, nimmt stetig zu, wie aktuelle Statistiken zeigen. Auffällig ist, dass immer mehr junge Menschen einen Diabetes mellitus Typ II entwickeln und ältere Menschen plötzlich an einem Typ I Diabetes erkranken. Selbst der Typ I Diabetes nimmt an Anzahl zu. Diese Phänomene können nicht ausschließlich durch die Ernährung erklärt werden. Die Ursachen sind zu Teil noch weitesgehend unbekannt und sind Gegenstand intensiver Forschung. Hieraus ergibt sich ein breites Spektrum in der Diagnostik und Therapie, so dass Menschen mit Diabetes mellitus einer individuellen, persönlich angepassten Diabetestherapie bedürfen.

Zum einen gibt heute es ein gesteigertes öffentliches Bewusstsein für die Notwendigkeit gesunder Ernährung, auf der anderen Seite schlägt die Industrie bunte Kapriolen, wenn es um Vermarktung von zu fettigen und zu süßenProdukten geht. Die Politik kommt oft nicht wirksamgegen die Lobby der Lebensmittelindustrie an. Was empfehlen Sie?

Auch aus diesem Grund wurde der Verein für Diabetiker-und Stoffwechselerkrankte e.V. gegründet. Ein Ziel ist es unter anderem, durch den jährlichen Diabetikertag zu diesem Thema Aufklärung zu leisten und möglichst viele Menschen bezüglich einer gesunden Ernährung und Lebensweise zu sensibilisieren und das damit verbundene Risiko einer Stoffwechselerkrankung wie des Diabetes mellitus zu senken. Seit nunmehr 23 Jahren führen wir deshalb den Wendländischen Diabetikertag durch. Die Thematik und das Motto hat sich bisher trotzdem nie wiederholt. Insbesonders zum Thema Ernährung wurde immer auf die aktuellen Erkenntnisse der Wissenschaft, aber auch auf Fallen beim Einkauf, in die man sehr leicht tappen kann, hingewiesen. Die steigenden Besucherzahlen zeigten uns Jahr für Jahr, dass das Interesse der Menschen ebenfalls stetig gestiegen ist.

Wir alle bedauern sehr, dass der diesjährige 23. Wendländische Diabetikertag nicht stattfinden kann. Im Laufe der Jahre sind uns viele Teilnehmer treu geblieben und ans Herz gewachsen. Wir vermissen den Austausch, die positive Stimmung sowie die Feedbacks. Wir alle hoffen sehr auf eine Fortsetzung der Tradition des Diabetikertages im nächsten Jahr.

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„Zucker“ wird oft erst spät erkannt

Chronische Erkrankung

Diabetes mellitus ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, deren Hauptmerkmal ein zu hoher Blutzucker ist. Deshalb wird Diabetes auch als „Zuckerkrankheit“ bezeichnet. Die häufigsten Formen der Krankheit sind Diabetes mellitus Typ I und Diabetes mellitus Typ II. Im Mittelpunkt aller Diabetesformen steht das Hormon Insulin.

Das braucht der Körper, um den Zucker aus der Nahrung in die Körperzellen zu transportieren. Dort wird er in Energie umgewandelt. Ist kein Insulin vorhanden oder spricht der Körper nicht ausreichend darauf an, bleibt der Zucker im Blutkreislauf und schädigt auf Dauer die Gefäße. Dies kann schließlich zu schweren Folgeerkrankungen führen.

Mögliche Symptome sind starker Durst, ständiger Harndrang,Müdigkeit und schnelle Erschöpfung, trockene, juckende Haut, schlechte Wundheilung, verschlechtertes Sehen sowie kribbelnde oder taube Füße und Beine.

Björn Vogt

Redaktion Kiebitz 05841/127 422 vogt@ejz.de

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