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„Nun komm, der Heiden Heiland!“

Und es gibt sie doch: Adventsgottesdienste rund um Gartow, Vietze und Schnackenburg

bv Gartow. „Wie feiern wir Weihnachten? Diese Frage bewegt unser ganzes Land. Das ist genau die Frage, die wir uns im Advent stellen,“ so der Pastor des Kirchspiels an Elbe und Seege, Pastor Eckhard Kruse. „Wie wir schon seit weit über 1000 Jahren gesungen und gebetet haben: Nun komm, Du Heiden Heiland! Komm in unsere Welt! Sende uns Zeichen der Hoffnung in unsere Dunkelheit! Wann wäre diese Bitte für uns wichtiger gewesen als 2020?“

Auch in diesem Jahr gibt es im Kirchspiel Adventsgottesdienste, natürlich unter Corona-Bedingungen und teilweise im Freien:

Der zweite Advent wurde am vergangenen Sonntag in Schnackenburg begangen – passend: als Nikolaustag in der Nicolaikirche.

Der dritte Advent am kommenden Sonntag wird um 10.30 Uhr in der St. Georg-Kirche in Gartow mit kleiner Kantorei gefeiert. Der traditionelle Chorgottesdienst fällt aus. Am vierten Advent um 10.30 Uhr trifft sich die Christengemeinschaft vor der Alten Kapelle in Vietze – mit Bläsertrio.

„Nun komm, der Heiden Heiland!“ – unter dieser Überschrift hielt Pastor Eckhard Kruse seine Predigt zum 1. Advent – und begrüßte seine Gemeinde – coronakonform – zuhause. Im Folgenden geben wir Auszüge aus der Predigt wieder.

„Nun komm, der Heiden Heiland!“ – so klingt es seit ewigen Zeiten im Advent. Im Jahr 386, also vor 1600 Jahren, erklang das Lied zum ersten Mal. Die Melodie ist sperrig zu hören – bis heute. Vor 500 Jahren hat Martin Luther den Text aus dem Lateinischen übersetzt und in das erste Kirchengesangbuch aufgenommen. Damals lernten die Menschen den Text schnell auswendig, denn die wenigsten konnten damals lesen. Nun komm! Nun komm, der Heiden Heiland! Die ganze Lebensgeschichte Jesu Christi klang auf mit diesem Adventslied. In diesen Tagen beschäftigt Menschen auf der ganzen Welt die Frage: Wie werden wir Weihnachten feiern?

Die Pandemie zwingt alle, sich diese Frage neu zu stellen. Christen und Nichtchristen stehen vor bisher ganz unbekannten Fragen. Regierungen versprechen Lockerungen für die Weihnachtstage. Niemand weiß, ob das vernünftig ist. Niemand weiß, was bis Weihnachten noch alles auf uns zukommen wird.

Advent: Das war schon immer die Frage: Was bedeutet Weihnachten für uns? Antworten suchen wir in der Glaubenskraft der Menschen im 30-Jährigen Krieg, die zu Gott flehten: Bewahre uns vor Seuchen und vor teurer Zeit. Pandemie und Wirtschaft, das gehört unmittelbar zusammen.

Aber auch damals gab es Weihnachten. Es gab Hoffnungslichter und Musik, die den Glauben stärken und das Leben möglich machen.

Alle Jahre wieder das gleiche Lied. Alle Jahre wieder die vertrauten Rituale, die sich von Familie zu Familie ähneln, aber auch unterscheiden. Es kann Streit geben um Rituale. Doch sind es wesentliche Fragen? Worauf kommt es wirklich an, wenn wir Weihnachten feiern und uns im Advent darauf vorbereiten? Vielleicht mit einer Kerze im Fenster zum Abendläuten? Mit Adventskranz und selbst gebackenen Keksen?

Dass Gott Weihnachten zu uns kommt, ist nicht selbstverständlich, nur weil es im Kalender steht. 2020 ist es, wie in alter Zeit, ein flehender Hilferuf: „Nun komm doch endlich! Guter Gott!“

In allen Zeiten gab es Seuchen und wirtschaftliche Not. Ehrlich gesagt leben wir hier im Advent 2020 immer noch wie im Paradies. Aber wir wissen um das schreckliche Elend auf den Intensivstationen, und mögen uns überhaupt nicht vorstellen, was es heißt, wenn die Intensivstationen überfüllt sind. Hölle und Tod sind dann näher als der Glanz der Krippe.

In schwerer Zeit wird der Glaube wichtig. Not lehrt beten – so sagt es der Volksmund.

Einer der frömmsten Mystiker des 30-Jährigen Krieges war der Gelehrte Angelus Silesius. Er schrieb den wichtigen Satz auf: „Mensch werde wesentlich; denn wenn die Welt vergeht, so fällt der Zufall weg; das Wesen, das besteht.“

Dieser Rat gilt auch für Advent und Weihnachten 2020: Es kommt nicht auf das vordergründig Schöne an. Es kommt nicht auf unsere Gewohnheiten an. Was ist wesentlich? Was ist wirklich wichtig? Wesentlich wichtig? Was können wir getrost loslassen? Was dürfen wir Weihnachten auf gar keinen Fall aufgeben?

Im 30-Jährigen Krieg wurden weitere christliche Choräle geschrieben. Choräle, die eine Lebenswirklichkeit beschreiben, die wir Nachgeborenen für überholt und antiquiert hielten. Solange es uns gut ging, ahnten wir nicht, was auf uns zukommt. Jetzt wissen wir, dass nichts im Leben selbstverständlich ist. Bleiben Sie behütet!“, wünscht Pastor Eckhard Kruse. Das Kirchspiel hat einen Newsletter vorbereitet.

Wer diesen beziehen möchte, kann sich unter www.kirch-spiel.de, per mail unter Kirche.Gartow@t-online.de oder telefonisch: (0 58 46) 12 26 melden.

Die Telefonandacht im Kirchenkreis hören Interessierte unter (0 58 41) 9 74 81 65.

Redaktion Kiebitz 05841/127 422 vogt@ejz.de

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