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Findig im Shutdown: Vom Friseursalon an die Supermarktkasse

Beispiel Haare: Was der Shutdown für Selbstständige bedeuten kann, wenn staatliche Unterstützung fehlt

bv Lüchow. „Ich habe am 15. Dezember abends das Licht in meinem Salon unter Tränen ausgemacht“, erinnert sich Maike Schulz. Das war der Abend vor dem zweiten Shutdown. Die selbstständige Friseurmeisterin betreibt in Lüchow den kleinen Salon Picassos, Arbeitsplatz von drei Frauen und seit Oktober 2020 auch Ausbildungsplatz von Mohammad (18), einem syrischen Flüchtling, der es nach Deutschland geschafft hat.

Der Salon in Lüchows Langer Straße ist seitdem verwaist. „Ich schäme mich meiner Tränen nicht“, bekennt die 43-Jährige, die normalerweise vor Lebensfreude strahlt. Wenn sich die drei Friseurinnen die Sprüche um die Ohren hauen, wird in dem Salon oft laut gelacht, das Verhältnis zu den Kunden: entspannt. Zu ihr kommen Frauen, Männer und Kinder. Die ersten dreizehn Jahre ihrer Selbstständigkeit sind bisher gut gelaufen. Bis zum ersten Shutdown.

Schulz: „Nie hätte ich damit gerechnet, dass uns so etwas wie eine Zwangsschließung droht.“

Doch so war es, im Shutdown Nummer eins. Sie habe Soforthilfen beantragt und auch bekommen, „recht schnell“. Ihre Mitarbeiterinnen wurden in Kurzarbeit geschickt. „Und nach sechs Wochen durften wir wieder öffnen, Gott sei Dank. Zwar unter strengen hygienischen Auflagen, aber immerhin.“

Als Unternehmerin aber habe sie persönlich kein Geld, kein Gehalt bekommen. „Wir sollten laut Bundesregierung Grundsicherung beantragen. Das habe ich auch versucht, ,vereinfachte Form‘, hieß es. Aber auch das war ein Umschlag mit Formularen von fünf Zentimeter Dicke. Ich musste mich komplett ,nackig‘ machen. Und schon nach ein paar Tagen kam die Antwort: abgelehnt!“ Denn ihr Freund habe ja Arbeit, als Lagerist in einer Fensterbaufirma. ↔Seite 5

Björn Vogt

Redaktion Kiebitz 05841/127 422 vogt@ejz.de

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