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Sitzen im Schachbrett

Sommerliche Musiktage reagieren auf Corona

tj Hitzacker. „Schachbrettmuster“: Das ist der Schlüsselbegriff, der Anfang August die 76. Sommerlichen Musiktage Hitzacker möglich machen soll. Denn die Anordnung der Plätze in den Konzerten nach diesem Prinzip soll für ausreichend Abstand sorgen – wie schon im Vorjahr muss das ­älteste Kammermusikfestival in Deutschland auf die Bedingungen der Corona-Pandemie Rücksicht nehmen.

Eine Studie des Fraunhofer-­Instituts habe einer solchen Platzordnung Unbedenk­lichkeit attestiert, sagte Dr. Christian Strehk, der Vor­sitzende des Trägervereins, bei einer Online-Vorstellung des diesjäh­rigen Programms unter dem Motto „Schubert.JETZT!“. Aus heutiger Sicht würden die 76. Sommerlichen Musiktage „nach menschlichem Ermessen“ stattfinden können, ergänzte dann auch Niedersachsens Kulturminister Björn Thümler – wobei das von der Entwicklung der Pandemie, von „Impfgeschehen und Inzidenzwerten“ abhänge.

Mit der im Vorjahr erstmals angewendeten aufgelockerten Anordnung der Plätze im Saal hätte das Festival 2020 „eine gute Performance gefunden“, so Thümler weiter. Das gilt nicht nur für die Erfüllung der Corona-Auflagen: Intendant Oliver Wille betonte, dass die Sitzordnung um die von der Bühne in die Mitte des Saales verlegten Plätze der Musikerinnen und Musiker herum das Musikerlebnis beflügelt habe – atmosphärisch und akustisch komme diese Möglichkeit, „Zuhören einfach zuzulassen“ gerade der Musik Franz Schuberts auf beson­dere Weise entgegen. Der sei ein Komponist, der „Menschen in Töne fassen konnte“ – darin Beethoven vergleichbar. Den hatten die Sommerlichen schon 2018 gefeiert, womit sie wohl als einziges Festival das Programm zum Beethovenjahr 2020 komplett auf die Bühne brachten.

Schuberts Musik, die „viele menschliche Seiten auf sehr besondere Weise anspricht“ (Oliver Wille) und sowohl Melancholie als auch eine „Flucht in bessere Welten“ in Klang verwandele, steht im Mittelpunkt des Programms – unter der Frage, was sie heute bedeutet, nicht nur mit Blick auf die von Corona erschütterten früheren Gewissheiten. „Was ist euer Jetzt?“: Diese Frage nach der Aktualität der Musik von Franz Schubert sollen berühmte Musikerinnen und Musiker wie der Cellist Mischa Maisky, der Pianist Sir András Schiff, der Flötist Maurice Steger, das Auryn-Quartett beantworten. Auch die Musik der Gegenwart spielt eine Rolle – in Gestalt je einer Uraufführung eines Werks von Iris ter Shiphorst und des Elektroakustikers ­Clemens von Reusner aus Brünkendorf.

Eine definitive Entscheidung, ob und in welchem Umfang das Festival stattfinde, werde rund einen Monat vor Beginn fallen – „wir sind langmütig und -mutig“, sagte Christian Strehk.

Die 76. Sommerlichen Musiktage sind vom 31. Juli bis zum 8. August geplant. Detaillierte Informationen zum Programm und zur aktuellen Situation sind auf der Homepage des Festivals (www.­musiktage-hitzacker.de) zu finden. Bei Kartenverkauf werden Vorbestellungen für die Festival-Card (komplettes Programm) und Abonnements zuerst berücksichtigt.

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