Anzeige

„Arbeit, die eine gewisse Demut verlangt“

Corona – oder: Warum Schauspielerin Kerstin Wittstamm auf dem Friedhof hilft

duh Breese im Bruche. „Das was ich mache – will das eigentlich jemand? Mache ich das nur für mich?“ Mit dieser Art von Fragen sah sich Schauspielerin Kerstin Wittstamm nach fast einem Jahr Zwangspause im Theaterleben konfrontiert. Ein Jahr, in dem geplante Aufführungen und lange vereinbarte Termine coronabedingt gestrichen werden mussten. Ein Jahr, in dem sie zwar gearbeitet, in ihrem Beruf aber kein Geld verdient hat. Seit annähernd 40 Jahren steht sie auf der Bühne. Sie ist Vollblut-Schauspielerin; ihr Leben ist die Darbietung, die Interpretation von Literatur vor Publikum auf einer Bühne. Ob alleine – wie in dem Ein-Personen-Stück „Emmas Glück“ – oder im Ensemble der Freien Bühne Wendland – ihr Leben hat sich immer um das Theater bewegt. Kunst an sich war in ihrer westfälisch-bodenständigen Familie kein Thema – kam einfach nicht vor. Und da ihr Traumberuf – Fotografin, Schwerpunkt Fotodesign – nicht in Frage kam, da das Equipment zu teuer war, kam sie auf die Idee, sich der Schauspielerei zuzuwenden. Denn schnell stand fest: Theater ist ihr Leben. Gebundene Sprache hatte es ihr von jeher angetan, Dramen haben sie fasziniert. In andere Figuren eintauchen, sie lebendig und authentisch wiederzugeben, das hat sie schon immer begeistert. Aber sie ist sehr darauf bedacht, „das es immer etwas gibt, das mich von den Figuren trennt. Ich bin immer Kerstin.“

Schon in der Schule hat sie Theater gespielt. Mit 20 Jahren, 1984, war Straßentheater angesagt. Viel verdient wurde dabei nicht. Um ihren täglichen Lebensbedarf zu sichern, übernahm sie andere bezahlte Arbeiten. „Wobei ich keinen Job machen würde, der mich nicht auch aus einem anderen Grund interessiert.“ Auch jetzt, bedingt durch die totale Streichung aller Aufträge, arbeitet sie nebenbei, um das nötige Geld für ihr tägliches Auskommen zu erwirtschaften. Stirbt jemand in ihrem Dorf, hilft sie, das Grab auszuheben. „Das ist wie Meditation. Das ist eine Arbeit, die eine gewisse Demut verlangt.

Anzeige

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.