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„Die Kinder leben auf“

Schwimmwochen der Grundschule Dannenberg

Fortsetzung

bv Dannenberg. Dabei kann niemand etwas dafür: „Wegen Corona konnten die Schüler einfach nicht mit ihren Eltern ins Bad gehen. Das sollten sie jetzt unbedingt nachholen.“

Denn nach einer DLRG-Studie aus dem Jahr 2017 sind bundesweit 60 Prozent der Mädchen und Jungen keine sicheren Schwimmer, wenn sie die Grundschule verlassen. „Ihnen fehlt das Jugendschwimmabzeichen in Bronze, ein Viertel haben noch nicht einmal das Seepferdchen“, so Szorec. In Dannenberg sei die Quote bald wieder besser. Die DLRG geht davon aus, dass zwei Schuljahrgänge komplett ohne Schwimmunterricht aufgewachsen sind. Das aufzuholen, sei eine große Anstrengung, betont Szorec, der auch Technischer Leiter bei der DLRG ist. Übernächste Woche ist er wieder dabei, bei den Schwimmwochen für den Jahrgang 3. „Und im September kommt dann die nächste Grundschule zu uns ins Bad“, so Abeln. Damit auch der Spaß nicht zu kurz komme, biete die Schwimmwoche die drei Bereiche Schwimmtraining, Springen, Tauchen und Wasserspiele. „Wir sind froh, dass wir endlich das wieder anbieten können, der Bedarf ist riesig“, betont Antje Terwey, die begeistert ist vom ehrenamtlichen Engagement der DLRG und der Handballabteilung des MTV. „Wir finden das toll, wie schön sie auf die Kinder eingehen. Wir sagen herzlichen Dank – vor allem im Namen der Schülerinnen und Schüler.“

Die Gründe für die aktuell hohe Zahl an Nichtschwimmern unter Grundschülern seien vielfältig: An erster Stelle sei es die Corona-Pandemie, konstatiert Kristin Abeln. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen Antje Terwey und Gesa Geffers-Vogt organisiert sie die diesjährigen Schwimmwochen der Grundschule. Corona habe lange Zeit Schwimmkurse im Frei- oder Hallenbad verhindert. Und einige Eltern hätten einfach nicht die Möglichkeiten, ihren Kindern das Schwimmen beizubringen.

„Die DLRG-Ausbilder, wie etwa Rosie Reinert, sie ist Spezialistin für Nichtschwimmer, bringen zum Glück sehr viel Erfahrung mit“, beobachtet Abeln: „Sie gehen auf die Kinder ein und motivieren sie, ins Wasser zu gehen. Auch, wenn sie zuerst Angst davor hatten.“ Nichtschwimmer, die anfangs am Beckenrand weinten, gingen dann mit viel Freude ins Wasser. „Da sprechen wir großes Lob aus“, unterstreicht Abeln. „Was mir auffällt: Die Kinder leben hier richtig auf“, ergänzt Terwey. Wie wichtig die Schwimmwochen sind, verdeutlichen dramatische Zahlen: Seit dem Jahr 2000, so die offiziellen Zahlen, wurden deutschlandweit jährlich durchschnittlich 80 Frei- und Hallenbäder geschlossen. Durch diese Schließungen finden deutschlandweit immer weniger Schwimmkurse statt. Die DLRG fordert seit Langem die Rettung von Schwimmbädern. Im Jahr 2020 wurde die DLRG in 901 Fällen zur Lebensrettung in Freibädern und Seen gerufen. 378 Menschen sind im vergangenen Jahr in Deutschland ertrunken. Abeln, Terwey und Geffers-Vogt sehen auch die Landespolitik in der Pflicht, das Schwimmen im Lehrplan zu belassen oder sogar noch auszubauen. Am Ende zeigt Philipp Recht von der DLRG noch seinen legendären Paketsprung vom Dreier, mit sattem „Plomp“ taucht er ins Wasser, die Fontäne ist gewaltig. „Früher hieß das Arschbombe“, lacht eine der Lehrerinnen.

Redaktion Kiebitz 05841/127 422 vogt@ejz.de

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