Der Blick geht in die Zukunft

Gildeleben nimmt wieder Fahrt auf

bm Clenze. Wie auch an vielen anderen Orten, gab es auch am Schießstand der Clenzer Schützengilde am vergangenen Wochenende wieder ein geselliges Miteinander. Denn die Gilde hatte zum traditionellen Obergildemeisterpokalschießen eingeladen. „Eine echte Traditionsveranstaltung, die ebenfalls im vergangenen Jahr ausfallen musste“, wie Obergildemeister Uwe Dorendorf berichtete. Entsprechend war die Stimmung. Manfred Gunder und Ulrike Losch freuten sich über ihre Siege bei diesem internen Wettbewerb. „Nach dieser Zwangspause ist die Stimmung besonders gut. Alle freuen sich, dass wir einmal wieder feiern dürfen, und das machen wir heute auch“, berichtete der amtierende Schützenkönig André Skerra.

Apropros Pokal: Die Gilde hat einen ganz besonderen Schatz, der sicher in einem Tresor verwahrt wird. Es ist der silberne Pokal aus dem Jahr 1851. König Ernst August stiftete ihn aus der „Hand- und Schatull. Casse Sr. Majestät des Königs“, nachdem er im Jahr 1851 formell die Würde eines Schützenkönigs zu Clenze angenommen hatte. Stellvertretend für den Landesvater hatte der Amtvogt Kaufmann den besten Schuss abgegeben. Dieser Pokal wurde am 15. September 1851 durch Amtmann von Düring der Gilde überreicht. Zu Ehren des Stifters wurde an jenem Abend für 18 Taler und 20 Groschen Wein aus dem Pokal getrunken. Zum Vergleich: Der Tageslohn eines Arbeiters lag seinerzeit bei vier bis fünf Groschen. In Dankbarkeit spendete die Gilde vier Jahre später zehn Taler in Gold, als dem König vor dem Bahnhof in Hannover ein Denkmal errichtet werden sollte. Den aus Bronze gegossenen Reiter auf einem Sockel aus poliertem Granit kennt wohl jeder Zugreisende.

„Diesen Pokal nehmen wir auch immer mit, wenn wir mit einer Delegation zum großen Schützenfest nach Hannover reisen. Es ist das größte Schützenfest der Welt. Und der Pokal ist auch jedes Mal wieder eine Fernsehattraktion“, freut sich Dorendorf.

Aber neben der Freude über das wiederauflebende Gildeleben hat die Gilde während der Zwangspause auch über mögliche Veränderungen gesprochen. „Wir haben auch über neue Möglichkeiten für unser Schützenfest nachgedacht, die aber alle noch nicht spruchreif sind“, informiert Skerra. Auch die Jugendarbeit solle stärker in den Fokus rücken. Die 100 Mitglieder zählende Gilde habe zwar keine Austritte zu verzeichnen, aber „Jugendliche zu begeistern, ist schwieriger geworden“, bedauert Dorendorf.

So überlege man etwa, die Sparte Pfeil- und Bogensport mitaufzunehmen, um die ­Gilde für die Jüngeren attraktiver und vielfältiger zu machen. „Wir nehmen langsam wieder Fahrt auf, und das ist auch gut so“, blickt der Obergildemeister optimistisch in die Zukunft.

Die Geschichte der Schützengilden reicht weit bis ins Mittelalter zurück. Älteste urkundliche Erwähnungen von Schützengilden stammen aus dem Jahr 1139 aus Gymnich und 1190 aus Düsseldorf. Im Mittelalter waren die Menschen streng nach Ständen (Adel, Klerus, Bürger, Bauern) gegliedert. In den Städten lebte man ebenfalls in getrennten Berufsgruppen, den Zünften und Gilden. Durch die Gründung von Schützengilden und ein gemeinsames Schießtraining kam es zu einem Zusammenschluss, der übergreifend war.

Vereine werden vorgestellt

Im Hintergrund wird gearbeitet

Liebe Leserinnen und Leser, wir stellen im Rahmen dieser Serie verschiedene Vereine aus Lüchow-Dannenberg und deren Aktivitäten zu Pandemiezeiten vor. Folgend erscheinen werden Berichte über die Schützengilde Gartow und den RFV Dannenberg (Änderungen vorbehalten).


Clenzer Schützengilde steht in den Startlöchern

Etwa im 18. Jahrhundert veränderte sich die Aufgabe der Gilden, die früher vornehmlich Haus und Hof in Kriegszeiten, bei Seuchengefahren und Glaubensstreitigkeiten schützen sollten. Aus den ehemals militärischen Schützengilden waren nun rein bürgerliche Vereinigungen geworden.

Dazu zählt auch die Schützengilde Clenze, die etwas später, aber immerhin bereits 1848, gegründet wurde. Und wenn man beim Exerzieren der Clenzer Gilde zuschaut, dann fühlt man sich sehr schnell in diese Zeit zurückversetzt. Denn dann ertönen Kommandos wie: „Rangiert euch“ – „Batallion – vor euch“. Diese Sprache entstamme der Gründungszeit, wie Obergildemeister Uwe Dorendorf erzählt. Und wenn man wissen möchte, was „Dubliert“ oder „Rotten herstellt“ bedeutet, dann könne man auch im „Exercier-Reglement für die Infanterie der Königlich-Hannoverschen Armee“ nachschauen. „Auf den Exerzierabenden vor dem Schützenfest wird das auch streng durchgezogen. Wir nehmen das dann auch sehr ernst“, wie der derzeitige Schützenkönig André Skerra erzählt. Denn auf dem Schützenfest selbst dient der Ummarsch auch als eine Repräsentation der Gilde. „Dort werden diese alten Befehle auch erteilt“, so Skerra, der sich bereits im dritten Amtsjahr als König befindet. „Ein echtes Debüt, aber bedingt durch die Pandemie und die ausgefallenen Schützenfeste im vergangenen und in diesem Jahr“, erklärt Dorendorf.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.