Ein Symbol der Einheit

30 Jahre Fähre Schnackenburg–Lütkenwisch

kek Schnackenburg. Was machte man nach der „Wende“, wenn man mal aus Schnackenburg zur anderen Seite wollte? Man nahm sich sein Boot und ruderte. Auf der anderen Seite angelangt, ging es per pedes weiter. So in der Tat geschehen, wenn der damalige Schnackenburger Stadtdirektor seinen Amtskollegen in Lanz, Hans Borchert, besuchen wollte. Dem damals 49-Jährigen gefiel das gar nicht, und so sann man darauf, diesen Umstand zu ändern.

Doch wie sah es seitens der Behörden aus? 1952 war das Gebiet Lanz–Lenzen dem Kreis Ludwigslust im Bezirk Schwerin zugeordnet worden. Und so, wie die Menschen sich mit dem Dasein im ungeliebten Mecklenburg nicht anfreunden konnten, gab es von den dortigen Verwaltungen kein Verständnis für die Wiedereinrichtung dessen, was einmal bestanden hatte. Aber nicht nur das. „Eine Fährverbindung war außer von der Bevölkerung von allen Seiten, Ost wie West, unerwünscht, selbst unsere Gemeindevertreter taten sich schwer“, erzählt Hans Borchert. Was aber dennoch den Schnackenburger Klaus Reineke nicht davon abhielt, 1990 einen Antrag auf Genehmigung einer Fährverbindung zu stellen. „Doch die Wege waren lang und schwierig“, so das Lanzer Gemeindeoberhaupt. Und mit dessen Witz, Scharfblick sowie gesundem Menschenverstand – denn in Hans Borchert war ein engagierter Partner gefunden, der mit ganzer Kraft und großem Geschick agierte – wurden alle Hürden genommen.

„Ich habe ganz einfach alle negativen Theorien in praktische Taten umgesetzt“, meint der heute 79-Jährige, der sich schmunzelnd daran erinnert, wie er den „Bürokraten“ immer wieder ein Schnippchen schlug. Als es etwa darum ging, dass eine neue Straße bis Lütkenwisch gebaut werden sollte, „da bin ich mit meinem alten Wartburg in Höchstgeschwindigkeitrübergefahren, aber derMann aus dem Ministerium, der mir schnell folgen sollte, hatte dagegen mit seinem Westauto Probleme“. Natürlich gab es umgehend dieGenehmigung. Und dieSteine für den Lütkenwischer Fähranleger karrte Hans Borchert selbst mit dem Traktor aus Wootz heran.

Am 7. September 1991 war es dann so weit, und das Ereignis wurde im damaligen Fischerhaus mit einem festlichen Empfang sowie mit Grußworten der beiden Bürgermeister, des frischgebackenen Fährbetreibers Klaus Reineke und des Vertreters der Bezirksregierung Lüneburg würdig begangen.

Inzwischen hat das Gefährt Hunderttausende von Menschen übergesetzt. „Wenn auch heute durch mehrfachen reparatur- oder wasserstandsbedingten Ausfall die Fähre nicht verkehren kann, ist sie nicht mehr wegzudenken. Und die Einheit Deutschlands ist für uns Bürger erst durch die Fährverbindung geschaffen“, lautet das Fazit Borcherts, der damit sicher auch im Namen der Schnackenburger Einwohner spricht.

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