Ungewohnte Einblicke

„Tage der Industriekultur am Wasser“ – auch in der Kiebitz-Region

rs Regional. Mit 200 Veranstaltungen an über 110 Denkmalen an rund 50 Orten lädt die Metropolregion Hamburg am 25. und 26. September zum sechsten Mal zu den „Tagen der Industriekultur am Wasser“. An Hafenanlagen, Schleusen und Schiffen, an Leucht- und Wassertürmen, Brücken und Mühlen, Fabriken und Kraftwerken gibt es ungewohnte Einblicke – auch in der Kiebitz-Region. So beteiligt sich das Heimatmuseum Vietze mit Führungen daran. Am Sonnabend ab 14 Uhr geht es bei „Fährmann hol över“ um Verbindungen über den Strom. Am Sonntag führt ein historischer Rundgang durch das von der Schifffahrt geprägte Dorf Vietze mit seinen vielen großen und kleinen Dorf-Geschichten. Ebenfalls an der Elbe, bei Kaltenhof, befindet sich die Dömitzer Eisenbahnbrücke. Unter dem Titel „Natur und Kulturerlebnis Dömitzer Eisenbahnbrücke – ein Symbol der deutschen Teilung“ wird dort jeweils ab 11 Uhr das denkmalgeschützte Industriebauwerk (gebaut 1870-1873) zu einem besonderen Erlebnis. Um Varianten der Nutzbarkeit der ehemaligen Brückenanlage aufzuzeigen, haben der Architekt Ralf Pohlmann und Volker Mende im Auftrag der Samtgemeinde Elbtalaue eine Machbarkeitsstudie erstellt, die jeweils um 11 Uhr vorgestellt wird. Diese wird an den Tagen der Industriekultur am Wasser der Öffentlichkeit vorgestellt. Überquert man den Strom von West nach Ost, gelangt man nach etwa sieben Kilometern nach Neu Kaliß. Biegt man von der Bundesstraße 191 in Neu Kaliß ab, ist man verblüfft von der alten Großmühle mitten im Ort – und von der 1873 eröffneten und 1995 stillgelegten Feinpapier­fabrik am südlichen Rand. Letztere bietet eine pittoreske Szenerie: Zwischen den Flussarmen der Elde erstreckt sich ein kaum genutzter Industriekomplex mit vielen Hallen und Gebäuden. Die Backstein-Bauten stammen überwiegend aus der Zeit vor 1930. Die Immobilie besteht heute aus mehreren Teilen. Zu dem nicht öffentlichen Teil im Süden gehört ein Wasserkraftwerk. Vor dem Niedergang der DDR waren in der Papierfabrik 350 Menschen beschäftigt. Das Gelände, welches durch neue Besitzer eine neue Funktion erhalten soll, ist für Besucher geöffnet. Am Sonnabend läuft der Cafébetrieb von 14 bis 18 Uhr; zudem können Kinder am Sonnabend Kreatives aus Papier basteln – von 14 bis 16 Uhr.

Weitere sechs Kilometer trennen Neu Kaliß von Malliß, wo man im Rahmen der Ak­tionstage vieles über den ehemaligen Braunkohlenbergbau erfahren kann, den es dort seit 1817 gab. In dem etwa 120 Hektar großen Grubenfeld wurde das schwarze Gold bis 1960 gefördert. Der Bahnhofstraße in Malliß folgend laufen die Gäste auf ein Kanalkreuz zu: Dort treffen sich zwei mit dem Fluss Elde verbundene Stichkanäle. Der eine führt zur ehemaligen Ziegelei, der andere verläuft neben der Bahnhofstraße und zweigt in den Wald ab. Am Wendebecken führt ein Hohlweg zum Mundloch des „Marien Stollens“. Über diesen 1875 in Betrieb genommenen Stollen und benachbarte Schächte wurde einst unter Tage Braunkohle abgebaut. Getreidelte Lastkähne brachten auf den Kanälen Holz und Ziegelsteine zu dem Stollen, transportierten so die Kohle ab. Sie wurde in der Ziegelei und in anderen Betrieben an der Elde verheizt. Ständige Wassereinbrüche führten 1908 zur Stilllegung. Am Sonnabend ab 10 Uhr werden Führungen und eine Ausstellung angeboten (www.tagederindustriekultur.de).

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