Gedächtnis des Wendlands

RTL-Team drehte mit Undine Stiwich

rs Karmitz. Vier Bücher über Sagen und Legenden, über Bräuche und Traditionen im Wendland hat Lüchows Stadtarchivarin Undine Stiwich bereits verfasst. Das fünfte unter dem Titel „Das Haus auf der Insel – Lüchows Häuser und Originale, Überlieferungen und Anekdoten“ wird – verlegt im Lüchower Köhring-Verlag – zur Vorweihnachtszeit erscheinen. Die 77-Jährige ist voll an Wissen, das es zu erhalten gilt. Stiwich, die vielfältig ehrenamtlich aktiv ist – etwa als Vorsitzende der Tanz- und Trachtengruppe „De Öwerpetters“, im Wendländischen Geschichts- und Altertumsverein, als Gestalterin der Lüchower Stadtpartie und bei den Wenden-Freunden – ist quasi das Gedächtnis des Wendlands.

Von Kapellenruine über das Jammerholz zum Totenweg

Da ihr Wirken überregional geschätzt und verbreitet wird, schrieb die Deutsche Presse-Agentur (dpa) jüngst eine komplette Zeitungsseite über die aktive Karmitzerin, welche in zahlreichen Publikationen zu lesen war. Dies machte zwei Fernsehsender auf Stiwich und ihr Schaffen aufmerksam: Anfang des Monats erhielt sie Besuch von einem SAT.1-Team, welches mit ihr einen dreiminütigen Beitrag, der auf unter „17.30 – Sat.1 Regional“ laufen soll, drehte. Nun, am Dienstag vergangener Woche, war der Sender RTL bei Undine Stiwich zu Gast. Auch darin geht es um wendländische Bräuche und Sagen – jedoch mit anderen Schwerpunkten und vor dem Hintergrund des bevorstehenden Halloween-Festes: So ging es zur geheimnisumwobenen Kapellenruine nach Spithal, ins Jammerholz bei Grabow und an den verwunschenen Totenweg, der von Meuchefitz nach Gühlitz führt.

An diesen Orten erzählte Stiwich vor laufender Kamera von den Ereignissen, die sich dort zugetragen haben sollen, die ihr vielfach über ihre Großmutter und Mutter an sie weitergegeben worden sind: „Das Wasser spielte in der Totenabwehr eine große Rolle. Die vom Körper losgelöste Seele des Toten konnte kein Wasser überqueren, so glaubte man“, informierte sie. Daher haben allerlei Prozeduren mit Wasser im Umgang mit Toten eine Rolle gespielt, um die Gefahr des Wiedergehens zu vermeiden. So sei es auch mit dem Totenweg gewesen: „Der Weg führte nicht direkt zum Friedhof, sondern man machte Umwege, um an ein Wasser, einen Bach oder einen Fluss zu kommen, um diese zu überqueren. In Molden und Proitze ist noch bekannt, dass der Sarg mit dem Toten durch den Schnegaer Mühlenbach führte, in Meuchefitz führte er über die Gühlitzer Beeke. Der Totenweg nach Satemin ist nur noch zur Hälfte vorhanden. Auch die sogenannten Wasserdörfer wie Jeetzel, Rehbeck und Weitsche benutzten die Jeetzel und brachten auf Kähnen die Toten nach Lüchow.“ Der Beitrag soll auf RTL-Regional im Vorabendprogram zu sehen sein.

Übrigens: Die Geschichte der Totenwege, aber auch Beiträge zu menschlichen Originalen oder zum Opferstein in Lüchows Amtsgarten, sind in Stiwichs neuem Buch zu finden.

Redaktion Kiebitz 05841/127 420 seide@ejz.de

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