„Nu ward Tied, dat ick wat to fröhstöckn krich“

Hochdeutsch als Fremdsprache: Plattdeutsches Frühstück in Hitzacker wird zehn Jahre

bv Hitzacker. „Wenn ich versuche, platt zu sprechen, geht das dramatisch schief, ich verfalle dann ins Bayerische“, betont der in München geborene Klaus Lehmann, Mitgründer des plattdeutschen Frühstücks. Dieses Frühstück, welches jeden ersten Donnerstag im Monat in der alten Sargtischlerei in Hitzacker stattfindet, wurde vor ziemlich genau zehn Jahren von Hartmut Schäfer, Karin Schulz und Klaus Lehmann ins Leben gerufen. „Wir haben uns gesagt: Wir müssen was zur Pflege des Plattdeutschen tun. Aber ich als Bayer darf es nicht versuchen. Ich bin der Einzige, der Hochdeutsch sprechen darf“, so Lehmann augenzwinkernd. Stimmt natürlich nicht: „Bei uns ist jeder willkommen, der sich für das Plattdeutsche interessiert. Einige können es sehr gut, andere üben noch – bei uns ist das Miteinander das Entscheidende. So treffen wir uns einmal im Monat bei ,Maurermarmelade‘ und besonderer Wurst, um die Sprache und unsere Freundschaften zu pflegen“, korrigiert Lehmann. „Ich bin beinahe der Jüngste, mit 74. Unser Nesthäkchen ist Brigitte Molter – mit erst 71 Jahren“, schmunzelt der Leiter des Heimatmuseums. Horst-Karl Schulze unterbricht. „Ick heff Hunger.Ick muss noch noch Dannbarch und heb do noch wat to erlediggen, nun ward dat Tied, dat ick wat to fröhstöckn krich.

Der „sessumsömtich“ Jahre alte ehemalige Beamte ist aus Walmsburg nach Hitzacker gekommen. Frage: Sessumsömtich – ist das 56? „Nein“, lacht er, „76. Danke für das Kompliment.“ „Das liegt an seiner Frau“, wirft Erika Saalmann lachend ein – „die hält ihn jung.“ Saalmann sitzt Schulze gegenüber. „Acht Dschor“ sei sie schon dabei. Jedesmal? „Aber hallo!“, lacht die rüstige Seniorin. Sie bringt die Zwiebeln für die „Maurermarmelade“ – das Thüringer Mett – mit. Sie kenne Gehacktes aber nur als „Feuerwehrmarmelade“.

Marianne Basedow ist noch nicht so lang dabei wie die anderen, aber „ick föhl mich hier richtig woll, kann endlich mal wedder plattdütsch schnacken.“ Sie begleitet die muntere Truppe am Klavier, wenn plattdeutsch gesungen wird – Höhepunkt eines jeden Frühstücks.

Horst-Karl Schulze kommt jeden Monat zum Frühstück. Warum? „Erstens bin ick plattdütsch uffwussen, und zweetens kenn ick Hitzacker gaut, ick hev heer fröher mol levt.“ Und er liebe es, platt zu sprechen.

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