„Opa, red hochdeutsch“

Plattdeutsches Frühstück: Treffen einmal im Monat

Fortsetzung von hier

bv Hitzacker. Der Beamte hat in Walmsburg Arbeitsgemeinschaften initiiert, um das Plattdeutsche zu pflegen. Frage an die Runde: Wer spricht zu Hause noch platt? Antwort: sehr viele – vor allem da, wo Alt und Jung noch zusammenleben. „Mien Enkelkinner säggen immer: Ach Opa, nu red mal hochdeutsch“, wirft Horst-Karl Schulze ein, alle lachen. Günter Borchert ist schon 83, auch er geht für jünger durch. „Jo, Plattdeutsche sind so“, lacht Borchert – die Sprache scheint eine Art Jungbrunnen zu sein. „Platt hab ick von mien Mudder gelernt. Mien Pappa kommt ut’m Rheinland, der hatte keene Ahnung von Platt“, erklärt Borchert. „In Tießau ham ahl Lüüd Platt schnackt, dat war so“. Er erinnerte sich an eine BdM-Lehrerin, „1944, frisch vonne School, die uns schoolmeistern wullt“. Die Schüler mussten dann Hochdeutsch lernen, „aber son lütt Schooljung, der lernt ja schnell“, so Borchert, der später Jahrzehnte als „Schipper“ gearbeitet hat. Und 24 Jahre lang beim Wasser- und Schifffahrtsamt. „Dat war’n Job, den häv ick auf eener Morsbacke absääten,“ lacht Borchert. „Beim Staat, da is dat so, da bist du doar, und dann is dat gaut. Und nu bin ick seit twinnich Joar in Rente.“ Ältester Teilnehmer ist der 91-jährige Friedrich Janiesch. Er ist aus Oldendorf/Göhrde gekommen. Der Termin, jeden ersten Donnerstag im Monat in Hitzackers Alter Sargtischlerei, ist ihm heilig, wenn sich die verschworene Truppe zum Frühstück trifft. „Nicht irgendein Frühstück!“, lacht Gerda Hesebeck. Sie bringt Wurstspezialitäten und die „Maurermarmelade“ aus Dannenberg mit, die „man sich sonst nicht gönnt“, Blutwurst, Schinken, Gekochte mit Knoblauch und anderes. Die Brötchen kommen natürlich aus Hitzacker. Die meisten der Frühstücksgäste – heute sind es sechs Männer und sechs Frauen – sind mit Platt als Muttersprache aufgewachsen. Einige haben Hochdeutsch erst in der Schule gelernt, wie Günther Borchert. Es sei schade, so Klaus Lehmann, dass das Plattdeutsche eine aussterbende Sprache sei, trotz vieler Bemühungen, sie zu retten. Eine traurige Nachricht hatte Lehmann gleich zu Beginn: Eine „der tragenden Säulen“ des Frühstücks sei gerade verstorben, der Mann, der seit Jahren mit seinem Akkordeon für die musikalische Begleitung sorgte. Den Job übernommen hat Klavierspielerin Marianne Basedow. Nach dem Frühstück haut sie in die Tasten, und die anderen stimmen mit ein: „Hitzacker du Perle in’t Neddersassenland, herrlich liggs’t an Ölv und an Geezelstrann, rundüm die Bargens, liggst still in’t Daal, Hitzacker wi gröten di veel dusend mal.“

Redaktion Kiebitz 05841/127 422 vogt@ejz.de

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