Eine Krankenhaus-Utopie

„Gesundheit ist ein Thema, das uns alle angeht!“

rhy Dannenberg. Clara Eisenberg wurde vor 25 Jahren in der Elbe-Jeetzel-Klinik geboren. Sie wuchs im Südkreis auf und studiert Medizin in Gießen; im Herbst beginnt ihr neuntes Fachsemester. Damit war sie geradezu zur Moderatorin der Auftaktdemo zur Neugründung der BI „Unser Krankenhaus im Wendland“ berufen. Diese fand vor Kurzem gegenüber der Klinik im Dannenberger Reiterstadion statt. Die Forderung: Die Elbe-Jeetzel-Klinik soll zurück in öffentliche Trägerschaft oder in die Hand von Bürgern und Bürgerinnen. Seitens der BI wird befürchtet, dass nach dem Verkauf der Capio Elbe-Jeetzel-Klinik die neuen privaten Besitzer, André Eydt aus Fulda und Sigurd Gawinski aus Eichenzell, kein Interesse hätten, die wegen hoher Defizite drohende Insolvenz zu verhindern. So bereits geschehen in einer Klinik in Ottendorf, die von den gleichen Investoren übernommen wurde.

Neben anderen Beiträgen aus Bürger-, Ärzte- und Gewerkschaft berichtete auch ihr 67-jähriger Vater Wolfgang ­Eisenberg (Bösen) über seine 40-jährigen Erfahrungen im Krankenhauswesen. Seine Ausbildung als Krankenpfleger im Kreiskrankenhaus in Witzenhausen war eigentlich als Wartezeit auf ein Medizinstudium gedacht, aber er fand darin seine Berufung und ging nach der Ausbildung nach Berlin ins Bezirkskrankenhaus Tempelhof. 1978 kam er schließlich ins Wendland. In der Elbe-Jeetzel-Klinik stellte man ihn sofort ein, nicht wieder, als er nach einer Familienpause 1987 zurück in seinen Beruf wollte. „Inzwischen hatte die Krankenhausleitung von meinen Protestaktionen gegen die Castortransporte und ein Endlager für hoch radioaktiven Müll in Gorleben erfahren“, erinnert er sich. Als Rentner führt er heute immer noch seine seit den 1980er-Jahren geführte biologisch-organische Landwirtschaft fort. Seine Rede über eigene Einsichten in deutsche Krankenhäuser hört sich bei der Auftaktdemo bisweilen lustig an, aber man ahnt: Die Pflegenotstände sind in fast allen Krankenhäusern Deutschlands so wie jene in der ­Dannenberger Klinik.

Clara Eisenberg kann es sich sehr gut vorstellen, in einigen Jahren als Ärztin wieder ins Wendland zurückzukehren – gerne auch an das hiesige Krankenhaus: „Deshalb habe ich als kommende Ärztinnengeneration ein gesteigertes Interesse daran, dass es auch dann noch eine Klinik in Dannenberg gibt.“ Aber die Zukunft für das lokale Krankenhaus sehe nicht rosig aus. So entwarf sie eine „Krankenhaus-Utopie“ und schickt die Besucher der Auftaktdemo auf eine kleine Reise: „Die Elbe-Jeetzel-Klinik ist ein zentraler Ort für Gesundheit im Wendland, mit einer guten Grundversorgung von der Geburt bis zum Sterbebett.

Man kennt sich. Es gibt eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Hausärzten, ambulanten Fachpraxen und stationären Kolleg/innen. Für klärende Gespräche ist Zeit, die Patient/innen fühlen sich gut aufgehoben, verstanden und umsorgt. Die Klinik ist Teil eines Gesundheitsnetzwerks: Therapeuten, ambulante Pflege, Ärzt/innen, Rettungsdienst und Gesundheitsinteressierte im ganzen Landkreis. In der Küche wird frisches und regionales Gemüse gekocht, es gibt eine enge Zusammenarbeit mit den Bauern und Bäuerinnen der Region, die Klinik ist ein Ort der Gesundheit, nicht nur der Krankheit. Es finden gemeinsame Schulprojekte zu Bewegung, Ernährung und mentaler Gesundheit statt. Die Mitarbeiter der Klinik – von der Logistik, den Reinigungskräften, Rezeptionist/innen bis zum ganzen medizinischen Personal gehen gerne und ausgeschlafen zum Dienst, ihre Arbeit wird nicht nur durch abendliches Klatschen wertgeschätzt, sondern auch mit angemessenen Gehältern entlohnt. Was in der Klinik passiert, entscheiden sie selbst. Jedem gehört ein Teil der Bürgerklinik, die Ausbildung zukünftiger Kolleg/innen ist eine Hauptsäule des Klinikbetriebs, gemeinsam Lernen und Lehren ist an der Tagesordnung. Schön, nicht wahr?“

Die Utopie kam gut an unter den 300 bis 500 Teilnehmenden der Auftaktdemo. Clara Eisenberg ergänzte: „Gesundheit ist keine Selbstverständlichkeit, jeder und jede von uns braucht früher oder später Hilfe und Unterstützung bei der körperlichen oder psychischen Gesundheit. Deshalb ist es unsere gemeinsame Verantwortung, diesen Ort für unsere Krisen zu schaffen.“

  1. Was ist mit Seelsorge, dem Hospizverein, den Therapeuten
    bzw. der Sterbebegleitung/Begleitung von Schmerzpatienten?
    Es fehlt: die Arbeit an den Palliativbetten als Mal/Musik/Entspannungstherapeutin, sie ist mit Corona einfach verschwunden …. und ich finde kaum Sprache dafür, wie unverständlich mir das ist.
    Wäre ich Patientin, würde ich das wollen, diese Art der Begleitung und Betreuung? Wie konnte das einfach so “ gehen“?

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