Große Kunst en miniature

Papiertheater Tschaya hatte Besuch aus Dänemark

bm Lüchow. Wenn Hanne Slumstrup anfängt, Lieder aus Musicals oder Opern zu singen und dabei ihre selbst gefertigten Handpuppen dazu tanzen lässt, dann weiß man, was echte Leidenschaft ist. Denn die Dänin betreibt zusammen mit ihrem Lebensgefährten Knud Erik Forsberg das dänische Papiertheater Fiona. In der vergangenen Woche besuchte das Paar Gisa Naumann-Namba in Lüchow, die in ihrem Papiertheater Tschaya Figuren lebendig werden lässt. Grund für den Abstecher nach Lüchow war der gemeinsame Besuch des Papiertheaterfestivals im thüringischen Lehesten, an dem das dänische Paar teilnahm und eine Mischung aus verschiedenen Musicals aufführte. Papiertheater als Miniaturausgaben großer Bühnen entstanden europaweit im 18. Jahrhundert als Kunstform für das eigene Wohnzimmer. Ab 1810 gab es immer mehr Ausschneide- und Bilderbögen zu kaufen. „Es war damals wie das heutige Fernsehen und diente zur Unterhaltung“, informiert Naumann-Namba.

Hanne Slumstrup ist eigentlich schon ihr ganzes Leben lang begeistert vom Papiertheater. „Es begann bereits, als ich fünf Jahre alt war. Meine Mutter brachte mir dann Figuren von ,Schneewittchen und den sieben Zwergen'“, blickt die heute fast 80-Jährige zurück. 1969 habe sie dann richtig mit dem Spielen und dem Herstellen der Puppen angefangen. „Da wurde ich auch Mitglied in einem Amateurclub.“ Heute macht sie mit dem bereits 87-Jährigen Forsberg alles zusammen. Er baut die Bühnendekoration in feinster Handarbeit, und Hanne ist für die Puppen zuständig. „Für das Musical „My Fair Lady“ musste ich mehrere Elizas herstellen, denn das Wechseln der Kleidung der Hauptfigur geht nicht so schnell.“

Gisa Naumann-Namba lernte das Paar vor vielen Jahren auf einem Festival kennen, woraus sich eine enge Freundschaft und durch die gemeinsame Leidenschaft eine große Verbundenheit entwickelte. „Ich bewundere die beiden, denn dadurch, dass sie zu zweit sind, können sie mit ihren Figuren viel mehr machen.“ Wenn sie in Deutschland auftreten, gestalten sie hauptsächlich Musicals mit Stimmen vom Band. Außerdem habe Hanne Slumstrup viel Spaß an der Musik, wie sie sagt, und singt eine kurze Passage aus „My Fair Lady“.

Für die Lüchowerin hatten die beiden auch eine Überraschung mitgebracht: Über 100 Jahre alte Holzkulissen, die der Sohn eines verstorbenen Paiertheaterbetreibers in guten Händen wissen wollte. „Jetzt habe ich sogar eine Welle, die sich dreht – toll“, schwärmt Gisa Naumann-Namba. Und für das Papiertheater gibt es noch einen Grund zur Freude: Am 19. März wurde diese Form des Miniaturtheaters von der Unesco-Kommission in die Liste des deutschen immateriellen Kulturerbes aufgenommen. „Das ist eine ganz besondere Form der Wertschätzung für diese wunderbare Kulturform und für all die Menschen, die das Papiertheater ausüben, weiterentwickeln und diese alte Tradition am Leben erhalten“, betont Naumann-Namba.

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