Konzert im Schützenpark

Vogelstimmenführung im Morgengrauen

bm Lüchow. Es ist früher Morgen, recht kühl, der Himmel noch grau. Am fernen Horizont erahnt man die Sonne, die sich langsam durch die Wolken kämpft. Dafür ist es aber ungemein laut. Am Himmel fliegen graue Feldgänse und Rabenkrähen. In den Bäumen zwitschert und piept es in allen Tönen. Für die ­Vogelwelt ein gewöhnlicher Tagesbeginn. Es geht hoch her. Die einen suchen Nahrung, die anderen geeignete Nistplätze. In der Vogelwelt erscheint 6 Uhr früh mitten am Tag, während die Menschen in den Häusern noch tief schlummern. Aber nicht alle, denn auf dem Parklatz vor dem Lüchower Gildehaus steht eine kleine Gruppe von Menschen, ausgerüstet mit Ferngläsern und bereit für eine Wanderung durch den Schützenpark.

Unter ihnen ist Jürgen ­Grimme vom Verein für Naturkunde, der mit seinem fachkundigen Wissen die Vogelstimmenführung begleitet. Schon am Treffpunkt fliegen graue Feldgänse über den Köpfen der Teilnehmer hinweg. „Wenn keine geschlossene Schneedecke da ist, dann rasten in der Landgrabenniederung und in der Elbtalaue Zehntausende nor­discher Graugänse. Die Graugans ist eine Gattung der Feldgänse. Und die Rabenvögel, die wir sehen, zählen zu den Singvögeln – was viele überraschen mag. Der kurze Eindruck täuscht oft.“ Gespräche zwischen den Teilnehmern werden immer wieder durch neue Vogelstimmen unterbrochen. Mit einem Handzeichen bittet der Vogelexperte darum, stehen zu bleiben und zu lauschen. „Man muss schon ein geübtes Ohr haben. Auch für die Unterschiede.“ Die Ferngläser werden gezückt und es wird in die Bäume geschaut – auf der Suche nach den gefiederten Freunden. Zu hören sind Mönchsgrasmücke, Eichelhäher, Meise und als Höhepunkt, wie Grimme beschreibt: die Nachtigall. Und das sei nur ein Teil. „Wir sind ja erst am Anfang. Lassen wir uns überraschen.“ Weiter geht es in den Park hinein, entlang des Ufers der Drawehner Jeetzel am Kreishaus vorbei in Richtung Plate. Zwischendurch gibt es einen historischen Exkurs: „Die Drawehner Jeetzel hieß früher Totenjeetzel, weil Bewohner aus den nördlichen Dörfern Lüchows die Toten mit Kränen bis zum St. Georgshof transportiert haben. Dort war bis Anfang des 19. Jahrhunderts ein Friedhof.“

Dann folgt erneut einen Halt, denn es flattert eine Ringeltaube hoch. „Die häufigste heimische Taube.“ Für weitere Erklärungen hat der Experte, der sich seit seinem zwölften Lebensjahr für Vögel interessiert, auch ein Vogelkundebuch in seinem Rucksack. Einer der Teilnehmer ist ­moderner ausgestattet: Auf seinem Handy hat er eine sogenannte Bird-App installiert. „Anhand der Töne werden die Vogelart, das Aussehen und das Verbreitungsgebiet bestimmt“, erläutert er.

Unter den Teilnehmern ist auch die ehemalige Biologielehrerin Barbara Reimpell-Scheich. Pflanzen und Vögel kennt sie wie ihre Westen­tasche. Als Grimme wieder einmal die Hand hebt, um zu lauschen, welcher Vogel das sein könnte, antwortet sie spontan: „Das ist die Klappergrasmücke.“ Im Park gibt die Biologin Einblicke in Pflanzenarten. So manche kann man essen oder als wohlschmeckende Kräuter verwenden. Nach etwa zwei Stunden ist die informative Führung zu Ende. Jürgen Grimme ist zufrieden, dass so viele Vögel zu hören und teilweise zu sehen waren. „Zu beobachten ist eine dynamische Entwicklung.“

Weitere Termine gibt es unter www.naturkundeverein-luechow.de

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