Ziel: Naturnähe erhalten und fördern

Golfclub an der Göhrde schuf Blühstreifen – Weitere Maßnahmen geplant

rs Braasche. Insgesamt rund 80 Hektar groß ist das Areal des Braascher Golfplatzes, das den etwa 300 Mitgliedern des 1968 gegründeten Golfclubs an der Göhrde zur Verfügung steht. Dies ist bereits ein Alleinstellungsmerkmal, denn die benachbarten Golfanlagen zählen im Schnitt das Vierfache an Mitgliedern. Zudem ist das ehrenamtliche Engagement auf dem abwechslungsreichen 18-Loch-Platz enorm hoch: Wo andernorts meist ein Heer von bezahlten Helfern unterwegs ist, erledigt man an der Göhrde vieles selbst, beschäftigt lediglich vier Greenkeeper für die Pflege des ebenso reizvollen wie ruhig gelegenen Geländes, das von altem Nadel- und Laubwald malerisch eingefasst wird und über leichte Bodenwellen, diverse Bunker und gleich neun Wasserhindernisse verfügt. Naturnähe und das Miteinander prägen das Leben auf dem Platz, dessen Spielflächen rund 60 Hektar umfassen und für Spielerinnen und Spieler aller Handicaps geeignet ist. Gäste – auch mit Wohnmobil – sind jederzeit ganzjährig willkommen. Auch Hunde können – angeleint – mitgeführt ­werden.

Dass dieser Golfplatz besonderen Lebensraum und Rückzugsort für viele Pflanzen und Tiere bietet, der häufig nicht mehr vorhanden ist, ist den Mitgliedern bewusst. Und sie wollen diese Biodiversität hüten und sogar erweitern. Daher legte man vor einigen Monaten drei Blühstreifen mit einer Größe von insgesamt gut einem Hek­tar an. Erste Versuche mit anderen Sorten dazu hatte es bereits vor einigen Jahren gegeben. „Verwendet wurden nun reine Blühmischungen ohne Gräser mit sowohl ein- als auch mehrjährigen blütentreibenden Saaten“, erläutert der Dannenberger Thomas Fischer. „Die Mehrjährigen sind oft nicht so blühfreudig wie die Einjährigen. Letztere müssen dann jährlich neu ausgebracht werden – eine stete Herausforderung“, informiert der Inhaber der Firma iNOVA Green, der das Projekt finanziell bis auf Weiteres fördert und dazu ehrenamtlich berät, bei einer Rundfahrt im Golfcart. Als „Glücksfall“ beschreibt Platzwart Erwin Schumacher die Zusammenarbeit mit Fischer, der wegen seiner bundesweiten Tätigkeit überwiegend auf Golf- und Fußballplätzen den Beinamen „Rasendoktor“ erhielt. „Deutschlandweit seien nur sehr wenige der betriebenen Plätze mit Blühstreifen versehen“, weiß Fischer. „Aber es werden immer mehr.“

Während einer Station an einem der Streifen, wo es surrt, brummt und flattert, sitzt ein einzelner Spieler, mit Blick auf die Blüten, versonnen auf einer Bank, ein Paar zieht vorbei und lobt die Gestaltung der Anlage – insbesondere die Streifen, die Schumacher und seine Greenkeeper anlegten. „Landschaftlich sehr schön gefasster Platz“, „Toller Pflegezustand …“ und „Schöner Platz mit abwechslungreichen Bahnen mit viel Baumbestand“ liest man auch im digitalen Gästebuch des Vereins. „Die Saaten sind akribisch und explizit auf die hiesige Bodenbeschaffenheit und unsere Möglichkeiten der Pflege abgestimmt“, referiert Fischer, der seit Jahrzehnten professionell mit Saaten arbeitet und der die Blühstreifen als Win-win-Situation sieht: „Inhaltlich dienen sie dazu, die Vielfältigkeit zur erhalten; optisch sind sie für die Besucher des Platzes sehr reizvoll.“ „Betreten werden dürfen sie nicht“, unterstreicht Schumacher, der für die Gestaltung des Areals hauptverantwortlich ist. „Landet ein Ball darin, gibt es einen straffreien Drop-off am Rand des Streifens.“

Dann verweist Fischer auf ein Schild, auf dem sich eine Zahlen-Buchstaben-Kombination befindet: „Dies ist gleichsam ein Geocache-Punkt, gelistet über das Geocaching-Hauptquartier in Seattle“, freut sich der Geschäftsmann, der sich seit einigen Jahren für das Hobby begeistert, Punkte in der Natur per GPS zu finden – nun gebe es im Zuge der Blühstreifen auch einen auf dem Golfplatz. Geocaching habe einen großen Bezug zur Natur.

Apropos Natur: Schumacher weist ins Rund. „Wir haben in den vergangenen Monaten rund 150 Nisthilfen in die Bäume gehängt“, berichtet er. Ermöglicht hätten dies Patenschaften der Mitglieder. Überdies gebe es Pläne, Insektenhotels und eventuell Bienenstöcke auf dem Platz aufzustellen.

Die Spieler honorieren die Bestrebungen; vor allem Gäste aus den Ballungsräumen, wo die Plätze coronabedingt ausge- oder sogar überlastet sind, loben das Engagement der Mitglieder des Golfclubs an der Göhrde und genießen das Spiel auf dem ruhigen, landschaftlich so reizvollen Parkland-Course.

Redaktion Kiebitz 05841/127 420 seide@ejz.de

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