Riesen-Ringelnatter: Sehr seltener Fund

„Gefährdet“ auf der Roten Liste: Harmloses Reptil bei Damnatz umgesetzt

bv Damnatz. Renee Reißland hält vorsichtig eine deutlich über einen Meter lange Ringelnatter in der Hand, bei weit ausgetrecktem Arm. „Die sind zwar völlig harmlos, beißen aber können sie trotzdem, wenn sie sich bedroht fühlen“, erläutert Reißland. „Ich habe sie bei mir im Holzstapel entdeckt. Deswegen bringe ich sie auf eine Wiese, wo sie ihre Ruhe hat und ein bißchen Sonne bekommt, dann ist sie bald wieder weg.“

Frage an Dr. Franz Höchtl, stellverteneder Leiter der Biosphärenreservatsverwaltung Niedersächsische Elbtalaue: Dieses Exemplar ist erstaunlich lang, etwa 1,20 Meter, vielleicht sogar größer. Was ist normal? Dr. Höchtl: „Ringelnattern werden durchschnittlich etwa 75 Zentimeter lang, Weibchen können mit 85 bis maximal 150 Zentimeter deutlich länger sein. Längen über 110 Zentimeter werden allerdings nur sehr selten erreicht.“ Wie sollte man sich verhalten, wen man auf so ein Tier trifft? Höchtl: „Ringelnattern sind ungefährlich. Sie sind scheu und versuchen bei Störungen zu fliehen. Nur wenn sie stark bedrängt werden und nicht fliehen können, kann es zu Kopfstößen, sogenannten Scheinbissen, in Richtung des Angreifers kommen, manchmal auch zu Bissen, die jedoch nicht giftig sind. Werden sie festgehalten, verspritzen sie bisweilen ein stark stinkendes Drüsensekret. Wenn man also auf eine Ringelnatter trifft: ruhig bleiben, eventuell ein Foto machen, das Tier nicht anfassen, sich rasch zurückziehen. Wenn sich die Schlange an einem gefährlichen Ort befindet, etwa am Straßenrand oder vor einem herannahenden Mähwerk, sollte versucht werden, sie vorsichtig an einen sicheren Ort zu vertreiben.“ Denn, so Höchtl: Ringelnatter und Kreuzotter sind nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützte Tierarten, die Schlingnatter ist eine streng geschützte Art der FFH-Richtlinie. Für alle drei Arten gilt, dass das Fangen, Verletzen oder Töten der Tiere verboten ist und eine Straftat darstellt, ebenso wie etwa die Zerstörung der Gelege der Tiere.

Frage: Wie selten sind Ringelnattern? Und welche Schlangen kommen noch an der Elbe und im Wendland vor? Höchtl: „Aus dem Wendland sind Vorkommen von Ringelnatter, Kreuzotter und Schlingnatter bekannt. Die Ringelnatter ist die mit Abstand häufigste und am weitesten verbreitete Schlangenart in unserer Region. In den Niederungen der Elbe und ihrer Nebenflüsse wie Jeetzel und Seege dürfte sie überall vorkommen – sie ist im Gegensatz zu den anderen beiden genannten Arten an Feuchtlebensräume gebunden. Kreuzotter und Schlingnatter sind im Wendland sehr selten, von beiden liegen einzelne Nachweise aus der Nemitzer Heide vor. Die Kreuzotter ist vermutlich auch in der Göhrde verbreitet, es gibt jedoch nur sehr wenige aktuelle Nachweise.“

Auf die Frage, ob sich die Zahl der Reptilien im Wendland insgesamt weiter verringert hat, antwortet Dr. Höchtl: „Zur Ringelnatter im Wendland gibt es keine aktuellen Untersuchungen. Von Kreuzotter und Schlingnatter liegen nur sehr wenige Nachweise vor, beide Arten waren jedoch früher zweifellos häufiger und weiter verbreitet, was mit dem Rückgang offener Heide- und Moorbiotope zusammenhängt. Niedersachsenweit zeigen alle drei Arten eine langfristig negative Bestandsentwicklung, die Ringelnatter ist in Niedersachsen als „gefährdet“ eingestuft (Rote Liste 3), Kreuzotter und Schlingnatter sind „stark gefährdet“ (Rote Liste 2).“

Frage: Wie kann man die Tiere schützen? „Wichtigstes Schutzinstrument ist der Schutz und die Pflege der Lebensräume, also der Feuchtgebiete“, antwortet Dr. Höchtl. „Im Falle der Ringelnatter, die vor allem Amphibien als Nahrung benötigt) und der warmen nicht oder extensiv genutzten Offenlebensräume (Heiden, Moorränder, Waldränder und -lichtungen, Magerrasen, Bodenabbaugruben, besonnte Böschungen etc.).

Gefährdet sind die Tiere u.a. auch durch die Zerschneidung ihrer Lebensräume und durch den Straßenverkehr. Durch hohe Wildschweinbestände und durch streunende Haustiere (Katzen) kann es zu ebenfalls zu hohen Verlusten kommen. Auch durch die Mahd werden immer wieder Schlangen getötet. In Schlangen-Lebensräumen (etwa besonnte Wegränder) sollte daher möglichst frühmorgens oder bei nasskaltem Wetter gemäht werden (wenn die Tiere in ihren Verstecken sind), möglichst auch mit Balkenmähern und einer Schnitthöhe von 10 bis 15 Zentimetern.

Redaktion Kiebitz 05841/127 422 vogt@ejz.de

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