Freiwillig und fachkundig dem Klimawandel getrotzt

Bei prämierter Freiwilligenaktion im Bereich der Deichrückverlegung 100 Schwarzerlen gepflanzt

kek Gandow. Manchmal, aber das ist äußerst selten, muss die Natur zu ihrem Glück gezwungen werden. So geschehen am Sonnabend im Bereich der Deichrückverlegung in der Gemarkung Gandow, und zwar direkt an einem Altarm der Elbe. Tatkräftige Helfer aus der Prignitz und aus Niedersachsen hatten das sumpfige Ufergewässer mit etwa 100 jungen Schwarz­erlen bepflanzt – und zum Schluss sah es aus, als hätten diese dort schon immer gestanden. Dabei hatten die Jungpflanzen vier Jahre hindurch ein Areal im Lenzener Burggarten bevölkert – und zwar dort, wo sie nicht nur störten, sondern auch kaum optimale Wuchsbedingungen gehabt hätten.

Da diese Aktion einer langen Vorbereitung bedurfte und zudem auch auf Fördermittel angewiesen war, hatte Bettina Kühnast, die Geschäftsführerin des Trägerverbundes der Burg Lenzen, beim Berliner Verein Nationale Naturlandschaften e. V. im Rahmen des „Ehrensache Natur“-Förderpreises diese rechtzeitig beantragt. Dabei herausgekommen ist eine insgesamt dreitägige behutsame Rodungs- und gleichermaßen Umpflanzak­tion in einem potenziellen ­Auwald, die von besagtem Verein mit dem „Ehrensache Natur“-Förderpreis 2021 ausgezeichnet worden ist. „Im gleichnamigen Bundesfreiwilligenprogramm dient dieses Projekt des freiwilligen Engagements zugleich der bio­logischen Vielfalt an der Elbe“, so Bettina Kühnast. ­Zudem war die Auszeichnung mit einer finanziellen Förderung durch The North Face, der European Outdoor Conservation und den Nationalen Kulturlandschaften verbunden.

Bei der Pflanzaktion wirkte nicht nur die Burgchefin samt Sohn Jonathan selbst mit, sondern auch weitere Mitarbeiterinnen sowie Clemens Herche und Ricarda Rath von der Naturwacht Brandenburg und weitere engagierte Freiwillige aus Niedersachsen.

Eigens zu diesem Termin war Paul Saalfeld aus Hannover angereist: Der 63-jährige Ex-Manager hatte sich vorgenommen, in seinem Pensionsdasein „etwas Konkretes für die Natur“ zu machen, „und da hat mir meine Frau zu Weihnachten diese Mitmachaktion geschenkt“. Und was sich dem Naturfreund, der seit 40 Jahren BUND-Mitglied ist, dort bot, übertraf seine ­Erwartungen: „Ich kann es kaum glauben, dass es so etwas noch gibt: reine Natur, weit und breit weder Häuser noch Autos, und als einzige Geräusche der Wind und das gelegentliche Krähen eines Fasanenhahnes“, meinte der Großstädter an der neu bepflanzten Uferzone.

Und dass die Aktion sogar dazu dient, dem Klimawandel Paroli zu bieten, erfuhren die Anwesenden abschließend bei einem Vortrag von Frau Dr. Christin Ludewig. Die ­Dozentin an der Universität Hamburg, die sich mit dem Thema „angewandte Pflanzenökologie“ beschäftigt, wies nach, dass Auenwälder in der Lage sind, jeweils etwa 150 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar in der Vegetation und im Erdboden zu speichern. „Es ist zwar weniger als in Mooren, doch im Vergleich zu anderen pflanzlichen Lebensräumen sehr hoch.“ Dazu kommt noch, dass ­Hartholzauen der immer mehr gefährdeten Vogelwelt optimale Lebensbedingungen bieten. In diesem Fall, und das war von Jochen Purps aus Bad Wilsnack zu erfahren, „werden sich hier an diesem Totarm sicherlich etliche ­Finkenarten und sogar der selten gewordene Neuntöter ansiedeln“. Und dass es im etwa zwei Meter tiefen Gewässer auch Fische gibt, ­berichtete der Forstwirt ebenfalls: „Ich habe selbst gesehen, wie hier einmal zwei Adler an einem Hecht zu­gange waren.“

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